„Nachdem ich einmal angefangen hatte, gab es kein Halten mehr".

 


 

Stimmen zum Buch:

 

Ein großes Lesevergnügen bietet uns Michel Bergmann mit dem dritten und abschließenden Teil seiner Teilacher-Trilogie „Herr Klee und Herr Feld“.

Die beiden Brüder Moritz und Alfred Kleefeld sind in die Jahre gekommen und haben beschlossen in Moritz Gründerzeitvilla im Westend eine Geschwister-WG zu gründen.

Alfred, alias „Freddy Clay“ schwelgt in Erinnerungen an sein zweitklassiges Schauspielerdasein, Moritz, einst Student der Frankfurter Schule, ehemaliger Linker und Professor der Psychologie besteht auf einem koscheren Haushalt (er lässt sich z.B. seinen Kuchen im Café Laumer auf mitgebrachtem koscherem Geschirr servieren).Sie pflegen hypochondrisch ihre Wehwehchen und Marotten und versuchen sich mit eingebildeten Leiden zu überbieten. Sie befinden sich dabei in einem ständigen nervtötenden Kleinkrieg.

Von einem Tag auf den anderen gerät ihre eingespielte häusliche Ordnung ins Wanken als die langjährige Haushälterin Frau Stöcklein, zermürbt von den Schikanen Alfreds, kündigt.

Auf eine Annonce stellen sich 14 Bewerberinnen für die ausgeschriebene Stelle als Hausdame vor. Die Wahl der beiden Brüder fällt, man glaubt es nicht, auf die Plästinenserin Zamira, eine junge Frau aus Hebron, die sie mit ihrer Schönheit und ihrem Charme von Anfang an bezaubert.

„Sie war von außergewöhnlicher Schönheit. Schwarzes Haar, hellbraune Haut, große, dunkle, strahlende Augen mit hohen Brauen. Ihr aufrechter Gang, der ihre Größe noch unterstrich. Sie trug Jeans und Kapuzenjacke. Selbst in dieser einfachen, unauffälligen Kleidung wirkte sie stilvoll und edel.“

Von heute auf morgen muss nun Zamira einen koscheren Haushalt führen und meistert die Herausforderung mit unvoreingenommener Spontaneität, wobei es ihr gelingt die beiden alten Kampfhähne auch ab und an mit den Leckerbissen der palästinensischen Küche zu verführen.

Alfred und Moritz übertreffen sich der jungen Frau gegenüber mit Liebenswürdigkeit und Fürsorge und vergessen dabei Zipperlein und Hypochondrie. Stattdessen erobern sich schon bald Eifersucht und Rivalität zwischen den beiden ungleichen Brüdern ihren Platz, und es entspinnt sich eine Art kalter Bruderkrieg. Vergangenes, Unverarbeitets bricht auf, und in einer Rückschau werden die Biographie der beiden ungleichen Brüder gezeigt. Familiengeheimnisse gelangen an die Oberfläche, schmerzliche Erlebnisse in der Kindheit, Flucht vor den Nazis, Ermordung des Vaters im Konzentrationslager…… dabei passiert „ein halbes Jahrhundert jüdisches Leben in der Bundesrepublik Revue“.

Und das Zusammenleben mit Zamira ist auch nicht ganz konfliktfrei: „Jeden Abend Angst vor der Tagesschau. Wie behandelt Israel wieder die Palästinenser? Was ist jetzt wieder und müssen wir uns schämen, uns verteidigen?“

Zamira hält mit ihrer Kritik am israelischen Staat nicht hinterm Berg und bringt Moritz und Alfred zum Überdenken ihrer Standpunkte in Sachen Intifada und Palästinenserpolitik. Über die Auseinandersetzungen am Esstisch ist das Dreigespann jedoch bereit sich trotz aller Widersprüche und Meinungsverschiedenheiten manchmal einander anzunähern. ……….

Monika Rieth

 

Buch Aktuell 31.07.2013

 

Das Leben – immer wieder neu

„Meine Herren! Ich werde Sie verlassen!“ – Ein Satz genügt, und es ist vorbei mit dem wohlgeordneten Leben, in dem sich die Brüder Moritz (77) und Alfred (75) Kleefeld in ihrer Frankfurter Villa eingerichtet haben. Nach über 30 Jahren kündigt die Haushälterin, entnervt von Überheblichkeit und Missachtung, ihren Job. Ersatz ist zwar schnell gefunden, doch die bildhübsche 28-jährige Zamira bringt nicht nur neuen Schwung in den verstaubten Alltag des jüdischen Haushalts, sie ist auch noch Palästinenserin! Im Mikro­kosmos der Frankfurter Gründerzeitvilla spiegelt sich die Problematik des Alterns ebenso, wie der Konflikt zwischen Palästina und Israel.

Mit Humor und feinem jüdischem Witz erzählt Michel Bergmann von einem langen jüdischen Leben in Deutschland. Immer wieder lässt er in Rückblenden die Erinnerung an Verfolgung und Verzweiflung, aber auch an Neuanfang und die Suche nach neuer Identität und Heimat lebendig werden.

Mit „Herr Klee und Herr Feld“ ist Michel Bergmann ein wunderbarer Abschluss seiner „Teilacher“-Trilogie gelungen.

AVIVA-BERLIN.de im Juli 2013:

 

Die Trilogie beginnt mit dem Besuch des jungen Schauspielers Alfred Kleefeld im jüdischen Altersheim in Frankfurt („am Arsch der Welt“), wo er das Zimmer seines grad verstorbenen Nenn- und Lieblingsonkels David Bermann ausräumen soll, und sie endet 40 Jahre später mit Alfreds eigenem Tod. Dazwischen liegt – verschachtelt in mehreren Handlungssträngen – ein Universum an exemplarischen Lebensgeschichten.Während Alfred im ersten Band Onkel Davids Nachlass sortiert (und dabei eine schockierende Entdeckung macht), erinnert er sich anhand der Fundstücke – Bilder, Briefe, Dokumente – an die Geschichte Davids, der unter anderem der Liebhaber seiner Mutter war, die sich und ihre beiden Söhne Moritz und Alfred in die USA hatte retten können, während ihr Mann ermordet wurde.David Bermann, der lebenskluge „Teilacher“ (jiddisch/berlinerisch: Einzelhandelsvertreter) und seine Freunde waren entwurzelte Menschen, die oft als Einzige ihrer Familie überlebt haben und entweder aus einem Lager oder vom Todesmarsch oder aus Shanghai in ihre Heimatstadt zurückgekehrt waren, oder womöglich gerade dem ersten Nachkriegspogrom in Polen entkommen, auf dem Weg von Nirgends nach Nirgends hier gestrandet waren, in einem DP-Lager. Bergmann erzählt die Geschichten dieser Fajinbrots und Szoros´, Holzmanns und Verständigs, Krautbergs und Fränkels – die statt Arzt oder Anwalt geworden zu sein, unter protekzje der Amerikaner nun Weißwäsche verkauften und alle im wahrsten Sinne „displaced persons“ waren.“Und dann ist man ja geblieben“Es geht um Lebensmittelbezugsscheine, Gemeinschaftsküchen, Baracken und wieder Zäune („um die Juden vor den Deutschen zu schützen“) und im zweite Band „Machloikes“ (jiddisch: Ärger, Zwiespalt, Zwist) auch darum, warum man geblieben war. „Man hat kennengelernt a Frau. Hat bekommen Kinder. Wie das so ist. Und dann ist man ja geblieben“. Und dann hat man mit dem Spagat und den vermeintlich gepackten Koffern leben müssen: „Man hatte ja schon das Ticket ins Glück. Nur die Abreise hat sich verzögert. Aber wehe, die Tochter verliebt sich in einen Deutschen! Na, dann ist das Geschrei groß.“Doch inzwischen war man im Jahr des „Wunders von Bern“ angekommen. Für die Deutschen ging es bergauf und auch die Teilacher hatten sich irgendwie eingerichtet in ihrer Parallelwelt zwischen all den Mitläufern und Wegguckern. Sie verscherbelten den Deutschen weiter Wäschepakete an der Tür oder eröffneten Teppichläden (und verkauften nach der Krönung von Königin Elizabeth das Modell „Buckingham-Palast“ wie geschnitten Brot). Alfred, inzwischen 15, sparte auf ein Rennrad („Doniselli“, mit Acht-Gang-Schaltung und Brooks-Sattel) und verliebte sich in Juliette und anschließend in Carla. Aus der Wurlitzer dudelten Schlager, man wusch mit Persil, fuhr DKW – nur nicht Alfred, der fuhr auf Machane nach Wembach und sollte zionistische Lieder lernen und die Theatergruppe in der Jüdischen Gemeinde leiten, während sein Bruder bereits studierte. Im Arbeiter- und Bauernstaat nebenan ging man auf die Barrikade („Oj, Kelbassa, is er a schmock! Er weiß vom Sozialismus wie a Hahn vom Eierlegen“), und im Westen liefen die Wiedergutmachungsdebatten und wurde Onkel Davids Freund Robert Fränkel, vor dem Krieg ein bekannter Conferencier in Berliner Varietés, von der CIA vorgeladen, weil die ihn verdächtigte, mit den Nazis kollaboriert zu haben…Michel Bergmann ist Regisseur und Drehbuchautor und jongliert routiniert mit Plots und Pointen. Bei all den grausamen Details, die er zu erzählen hat, gelingt ihm eine selbstironische Lakonie und Leichtigkeit, die Lesespaß bereitet. Und er kennt seinen Stoff bis ins Detail. Kein Wunder, das Umfeld, in dem seine Romane spielen, ist das Umfeld, in dem er aufgewachsen ist. Bergmann ist als Kind jüdischer Eltern 1945 in einem Schweizer Internierungslager geboren und zwischen Menschen, wie er sie beschreibt, groß geworden. Sein Jiddisch wirkt so authentisch wie die große Sympathie zu seinen Figuren. Wenn Bergmann über die Kinder seiner Generation schreibt: „Waren sie aus dem Massengrab entkommen, so wuchsen sie doch am Rande eines solchen auf“, liegt darin zugleich einer der Gründe für Befindlichkeiten und Reaktionen jüdisch-deutscher Erwachsener heute.Und im Heute sind auch die Brüder Alfred und Moritz, inzwischen 75 und 78 Jahre alt, im gerade erschienenen Abschluss der Triologie „Herr Klee und Herr Feld“ angekommen – bei iPhone und iPad, bei Finanzkrise, Hurrican Sandy und selbstgefälligen Studenten mit „Pali-Lumpen“ um den Hals, die sich auf der richtigen Seite der Geschichte fühlen. Die Brüder wohnen nun zusammen, nachdem sich Alfred (Künstlername „Freddy Clay“) einen Namen als Mumie in Horrorfilmen und sein Bruder als Psychologieprofessor gemacht hatte. Ihr Zusammenleben gestaltet sich allerdings reichlich nervenaufreibend. Professor Moritz, der ehemalige Linke mit Herzinfarkt, kocht zur Entspannung Marmelade, führt einen „Koscher-light“-Haushalt, schleppt sein eigenes Geschirr mit ins Restaurant und geht seinem Laissez-faire-Bruder mit seinen Ticks gewaltig auf den Geist. Hypochonder sind beide, und eines Tages hat auch die langjährige Hausdame die Nase voll und kündigt. Unter den Bewerberinnen, die sich auf die Stellenanzeige melden, wird eine junge glutäugige Schönheit ausgesucht. Die Sache hat nur einen Haken: die gute Zamira ist aus Hebron und Palästinenserin.Der Argwohn der beiden – eine arabische Mata Hari, eine Bombenbastlerin? – weicht jedoch schnell, denn Zamira zeigt Verständnis für all die Macken der Herren Klee und Feld, bekocht die beiden alten Zausel mit Lokschensuppe, während die sich weiter kabbeln und jeder auf seine Weise um die schöne Zamira herumschwänzeln.Zwischen den Rückblenden – Alfred als Pizza-Ausfahrer in den 50ern (es ist die Zeit von Bols Grün und Dave Brubeck), seine Schauspielkarriere in Rom, der Suizid der Mutter – ist nun Zeit für einen Ritt durch die Verschränkungen der arabischen und jüdischen Geschichte im Nahen Osten, denn weder Zamira noch Alfred und Moritz schlucken alles, was die Gegenseite an „Tatsachen“ und Vorwürfen parat hat. Und während Zamira „die Juden“ mit anderen Augen zu sehen beginnt, sagt nun Moritz über Alfred: „Er leidet immer wie ein Hund, wenn Israel sich schlecht benimmt“. Und auch der Hausarzt der beiden weiß Zamiras Wirkung auf die Herrn Klee und Herr Feld zu schätzen: „Wenn Sie nicht da sind, sind die beiden noch unerträglicher“.Als Zamira sich dann bei einem Besuch im fernen Beirut verliebt, jammert Alfred wie die sprichwörtliche jiddische Mame: „Aber warum muss es ein Araber sein? Hätte sie nicht hier einen netten jüdischen Arzt kennenlernen können?“Keiner kann aus seiner Haut. Auch am Ende seines Lebens ist a jid a jid. Bergmann lässt Alfred in sein Tagebuch schreiben: „Ich bin und bleibe Jude. Ich habe eine Judennase. Ich spreche mit jüdischem Tonfall, den ich geschickt unterdrücke. Mir fehlt es an Kultur, aber ich verdecke das durch zu viel Kultur. Ich bin rückwärts gewandt, aber ich mache auf modern und progressiv. Ich bin gläubig, aber tarne mich als Atheist. Ich bin Kapitalist, aber ich mache auf Sozialist. Ich entspreche dem Bild, das die Welt von Juden hat.“Und wir hoffen, dass Michel Bergmann bald einen neuen Roman beginnt, am besten eine Trilogie.

 e-book online 16.07.2013

Der Roman „Herr Klee und Herr Feld“ ist der dritte Band von Michel Bergmanns Trilogie (Band 1: Die Teilacher, Band 2: Machloikes)

Alfred Kleefeld, noch jung in „Die Teilacher“, ist nun ein alter Mann in den siebziger Jahren. Gemeinsam mit seinem Bruder Moritz lebt er in einer alten Frankfurter Villa aus der Gründerzeit. Alfred hat ein Leben als wenig erfolgreicher Schauspieler hinter sich; Moritz war Professor für Psychologie. Moritz war verheiratet mit der inzwischen verstorbenen Fanny. Beide Brüder sind kinderlos geblieben. Um nicht alleine zu sein, hat Alfred das Angebot angenommen, von Rom zu Moritz in die Villa zu ziehen.

Moritz hält sich mehr oder weniger an die jüdischen Traditionen, führt einen koscheren Haushalt – Alfred sieht es lockerer.

Sowohl Alfred als auch Moritz pflegen ihre Marotten. Alfred widersteht den Erziehungsversuchen seines Bruders.

Als ihre Haushälterin Frau Stöcklein kündigt, müssen sie eine neue Hilfe suchen und geben eine Zeitungsannonce auf. Es meldet sich ausgerechnet eine junge Palästinenserin, Zamira.

Doch die anfänglichen Bedenken verflüchtigen sich. Die Drei verstehen sich gut und die beiden Herren bemühen sich sehr um Zamira.

Dennoch ganz ohne Spannungen geht es nicht zu unter den Dreien. Gemeinsames Sehen der Nachrichten führt zu Diskussionen über die israelische Politik.

Michel Bergmanns Roman lässt sich flüssig und amüsant lesen. Interessant ist die Darstellung von jüdischer und palästinensischer Sichtweise, wenn auch in vereinfachter Form. Weitere Denkanstöße lässt der Autor mit einfließen, sei es die Beschneidung oder die Kreuzzüge.

Ich habe den Roman gerne gelesen

 

 Das Leben – immer wieder neu

„Meine Herren! Ich werde Sie verlassen!“ – Ein Satz genügt, und es ist vorbei mit dem wohlgeordneten Leben, in dem sich die Brüder Moritz (77) und Alfred (75) Kleefeld in ihrer Frankfurter Villa eingerichtet haben. Nach über 30 Jahren kündigt die Haushälterin, entnervt von Überheblichkeit und Missachtung, ihren Job. Ersatz ist zwar schnell gefunden, doch die bildhübsche 28-jährige Zamira bringt nicht nur neuen Schwung in den verstaubten Alltag des jüdischen Haushalts, sie ist auch noch Palästinenserin! Im Mikro­kosmos der Frankfurter Gründerzeitvilla spiegelt sich die Problematik des Alterns ebenso, wie der Konflikt zwischen Palästina und Israel.

Mit Humor und feinem jüdischem Witz erzählt Michel Bergmann von einem langen jüdischen Leben in Deutschland. Immer wieder lässt er in Rückblenden die Erinnerung an Verfolgung und Verzweiflung, aber auch an Neuanfang und die Suche nach neuer Identität und Heimat lebendig werden.

Mit „Herr Klee und Herr Feld“ ist Michel Bergmann ein wunderbarer Abschluss seiner „Teilacher“-Trilogie gelungen.

Buch aktuell 21.06.2013

 

Endlich ist er da, der heißersehnte dritte Teil der Trilogie um Alfred Kleefeld. Nach „Die Teilacher“ und „Machloikes“ kehrt Freddy, inzwischen 75 jährig, aus Rom zurück nach Frankfurt und zieht bei seinem verwitweten Bruder Moritz ein. Auf eine große Schauspielkarriere kann er nicht zurückblicken, aber dafür auf umso mehr eingebildete Krankheiten. Als erstes vergrault er die langjährige Hausangestellt des Bruders und die Suche nach einer neuen Perle gestaltet sich außerordentlich schwierig, muss sie doch beiden Brüdern zusagen. Zuletzt einigen sie sich ausgerechnet auf eine junge und bildschöne Palästinenserin, was selbstredend zu vielen Diskussionen um den Nahostkonflikt und zu oft unangenehmen Missverständnissen, aber auch zu berührenden Szenen führt.

Michel Bergmann versteht es wieder einmal ausgezeichnet, seine Leser zu fesseln. Man sieht die Figuren des Romans förmlich vor sich, lacht mit ihnen und über sie und kann dann und wann auch einige Tränen nicht unterdrücken. Und doch unterscheidet sich dieser Teil von den beiden ersten. Zuallererst deshalb, weil dieser Roman das Jetzt und Heute widerspiegelt und natürlich auch, weil er dem Leser spätestens am Ende klarmacht, dass es eigentlich keinen weiteren Teil mehr geben wird. Schade ist das! Aber: Wer weiß? Hoffen darf man ja!

WIZO-Magazin

 


 

Welch ein Genuss dieses Buch zu lesen! Wieder gelingt es Michel Bergmann auf seine ganz eigene Weise, mich hineinzunehmen in die Lebenswelt dieser nun alternden Männer. Sind die ersten Seiten wieder voller skurriler Szenen, die mich zum Schmunzeln bringen, so schleicht sich dann zunehmend die ganze Problematik ein, die die Vergangenheit, die Gegenwart und auch die Zukunft eines jüdischen Lebens in Deutschland bestimmt. Bis zuletzt ist die Aktualität des israelisch-palästinesischen Konflikts geschildert. Stimmig alle Charaktere, nachvollziehbare Gefühlslagen, glaubwürdige Szenerie.
Liebevoll und zart hat er den Sack zugebunden, der uns die Lebenswelt der Teilacher vom Holocaust bis heute erleben lies.
Schade, nun gibt es keinen weiteren Teil auf den ich mich freuen, und den ich mit großer Spannung erwarten kann.
Esther Baum-Schaller

 

Lieber Michel,
eben habe ich Deinen Roman bewegt zu Ende gelesen und möchte Dir
schnell zu dem so gelungenen Abschluß der Trilogie gratulieren.
Es ist Dir wunderbar gelungen, die Geschichte bis zum Ende spannend zu halten, Deine Leser zu unterhalten, sie zugleich unaufdringlich über vieles zu informieren und sie nachdenklich zu machen, ohne sie je besserwisserisch zu belehren.
Und der Schluß ist großes, anrührendes Kino.
Kompliment! Ich wünsche Deinem Roman jeden Erfolg und Dir alles, alles Gute.
Ganz herzlich,
Deine Sabine

Lieber Michel,

es kommt selten vor, dass mich eine Lektüre so glücklich macht.

Das einzige, was ich dir wirklich vorwerfe ist, dass es eine

Trilogie ist und nicht eine Tetralogie.

Herzlichst

Max


Dear Mimi
About Herr Klee und Herr Feld-I was magically consumed by it and spent 2 days reading all of it. I became mysteriously attached to Moritz and Alfred and when Frau Stoecklein reappeared I felt a sense of loss, as it signified the send of the story. I tried to understand why I was so magically drawn to Alfred and Moritz. Two “epiphanies;” They represent a composite of you, my friend Mimi. Moritz the sensitive intellectual and Alfred, the adventurous non-conformist who refuses to give up his adolescent.

The book also marinates in Jiddishkeit –the dialogues, the jokes, the neurosis- I loved it. Bockenheimer Landstrasse- the name brought me back to my childhood and ignited a powerful sense of nostalgia. I felt as if I was more than just a reader, but a participant of your story.

Let’s hear from you.

Hugs and kisses, leon


Mit einem lachenden und einem weinenden Auge

Silvia Gugler empfiehlt „Herr Klee und Herr Feld“. „Herr Klee und Herr Feld“, das sind im gleichnamigen Roman Michel Bergmanns die Brüder Alfred und Moritz Kleefeld. Der eine war Filmschauspieler, der andere ist emeritierter Professor der Psychologie. Beide sind Juden, über 70 Jahre alt, etwas schrullig, aber liebenswert. Als Alfred aus Rom nach Frankfurt kommt und zu seinem Bruder in die Gründerzeitvilla einzieht, entstehen unvorhergesehene Probleme, die dazu führen, dass Frau Stöcklein, die Haushälterin des Professors, das Haus verlässt.Neue Spannungen kommen auf, als die Nachfolgerin ausgesucht ist: Zamira. „Sie hat die beiden Herren mit ihrer Schönheit und ihrem Charme bezaubert,“ erläutert Silvia Gugler. „Aber Zamira ist Palästinenserin aus Hebron. Das wird schwierig, denn Alfred wird wütend über jede Äußerung, die Juden in ein schlechtes Licht setzen könnte. Er verteidigt Israel mit Zähnen und Klauen, obwohl er selbst die jüdischen Gesetze nicht einhält. Moritz hat im Alter die jüdischen Traditionen wiederentdeckt und ist ebenfalls sehr stolz auf seine Herkunft.“

Michel Bergmann schildert in lebendigen Szenen, wie Alfred, Moritz und Zamira zusammen leben, wie sie in Gesprächen über aktuelle Themen Gegenwart und Geschichte aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten und trotzdem füreinander einstehen. „Die Dialoge sind gespickt mit Humor und feinem jüdischem Witz, zuweilen auch mit polterndem Zynismus“, sagt die Buchhändlerin.

Rückblickend entstehen Lebensbilder der drei Protagonisten. „Schmerz, Abgründe, Versagen, aber auch Schönheit, Glück und Erfüllung des Lebens beschreibt der Autor ganz unpathetisch und in angenehmem Tonfall. Leid wird nicht ausgeklammert. Am Ende klappt der Leser das Buch mit einem lachenden und einem weinenden Auge zu“, sagt Silvia Gugler. Am Stil des Buches spüre man, und zwar in positivem Sinne, dass Michel Bergmann auch Drehbuchautor ist. „Hier ist lesen Kino im Kopf.“ Info Michel Bergmann: Herr Klee und Herr Feld. Arche Verlag, 379 Seiten, 19.95 Euro.

Ein Kammerspiel kauziger alter Herren
„Herr Klee und Herr Feld“ beharken sich ständig in ihrer Villa. Als die junge Palästinenserin Zamira auftaucht, mischt sie den Alltag der beiden alten Herren ziemlich auf. mehr

Bern (APA/sda) – „Weinhebers Koffer“ des gebürtigen Schweizers Michel Bergmann ist ein süffig-heiterer und dennoch doppelbödiger Roman. Er beginnt als Spurensuche nach einem verschollenen Kofferbesitzer und liefert ein Panorama jüdischer Leidensgeschichte(n) aus fast 100 Jahren.
Auf der Suche nach einem Geschenk für seine Freundin stößt Elias Ehrenwerth in einem Berliner Trödelladen auf einen alten, edlen Koffer, der – welch glückliche Fügung! – die Initialen seiner Freundin trägt: L.W. Doch dann mag er das Fundstück doch nicht verschenken, jedenfalls nicht, bevor er das Geheimnis um den ursprünglichen Besitzer, einen 1939 verschollenen jüdischen Autor geklärt hat.
Ehrenwerths Jagdfieber – und mit ihm das der Leser – steigt von Seite zu Seite: Der unmittelbare Vorbesitzer war Hamed, ein arabischer Student aus Israel, der die Antiquität von seinem Großvater bekommen hat. Und dieser hatte den Koffer 1939 im Hafen von Jaffa an sich genommen, weil kein Passagier des zugehörigen Einwandererschiffs ihn abholte. Wo aber ist Weinheber abgeblieben?
Elias fliegt nach Israel und spricht bei Opa Gibril vor. Dieser hat vom Kofferinhalt eine Reiseschreibmaschine und ein Dokumentenkonvolut aufbewahrt, das darf Ehrenwerth gerne haben. Auf die Schreibmaschine verzichtet der Rechercheur – ein Fehler, wie sich zeigt, denn sie enthält den entscheidenden Hinweis.
Auf die Papiere – eine Sammlung Briefe und ein Romanmanuskript – aber stürzt sich Ehrenwerth gierig. Sie erzählen ihm zwei Geschichten: die wahre Liebesgeschichte zwischen dem Autor Leonard Weinheber und der Schauspielerin Helene Rosenblum während der Nazizeit und die fiktive Geschichte eines Anwalts, der nach dem Pogrom im Berliner Scheunenviertel 1923 einem jüdischen Krämer zu seinem Recht verhelfen will. Keine der Geschichten geht gut aus.
Parallel zur Lektüre forscht Ehrenwerth in Israel nach Leuten, die Weinheber gekannt haben könnten. Nicht alle Gespräche sind hilfreich, viele vermitteln „nur“ historische Stimmungslagen – in Nazideutschland ebenso wie im jungen Staat Israel.
Nur eine Person spürt er auf, die Weinheber nähergekommen ist: Eine Frau, damals noch ein Teenager, hatte auf der Überfahrt nach Israel versucht, mit dem Autor anzubandeln. Es zeigt sich, dass Weinheber Deutschland – auch wenn es ihn als Juden übel behandelte – nur ungern verließ. Einzig die große Liebe, die ihm ins Kibbuz vorausgegangen war, verlieh seinem Exil Sinn. Dennoch ging er nicht von Bord.
Vielleicht spukt er als Ewiger Jude noch immer auf einem Schiff herum, suggeriert einmal jemand – ewig auf Überfahrt, weder im Geburtsland zu Hause noch im Gelobten Land. Das erweist sich am Schluss als gar nicht so falsch.
Unterfüttert hat Bergmann die äußere Handlung mit der Palästinafrage. Ehrenwerth ist – anders als sein intellektuelles Berliner Umfeld – ein glühender Verteidiger Israels. Immer wieder führt er Streitgespräche, namentlich mit seinem palästinensischen Freund Amin. Der Autor Bergmann schlägt sich dabei aber nicht auf Ehrenwerths Seite, sondern zeigt beide Seiten der Medaille.
Und so entsteht eine dritte Geschichte: Die Wandlung des Klugscheißers Ehrenwerth zu einem, der in Gesprächen mit verschiedensten, von der Palästinafragen betroffenen Menschen zu einer differenzierteren Einstellung findet. Weinhebers Koffer, sagt er einmal, habe ihn gefunden, nicht umgekehrt – Weinhebers Koffer habe sein Leben verändert.
Bergmann hat die Gabe, Witz und Tiefgründigkeit zur spannenden Unterhaltung zusammenzuspinnen. Er verdichtet eine Vielzahl von Motiven auf nur 142 Seiten – und dennoch wirkt das Gelesene luftig. Wie wenige versteht er es überdies, die Tonarten seinen Charakteren anzupassen: Ehrenwerth, Weinheber, Helene und die verschiedenen Zeitzeugen haben ihre je eigene Ausdrucksweise. Solides Handwerk.