„Nachdem ich einmal angefangen hatte, gab es kein Halten mehr".

 


 

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Ein gro­ßes Lese­ver­gnü­gen bie­tet uns Michel Berg­mann mit dem drit­ten und abschlie­ßen­den Teil sei­ner Teila­cher-Tri­lo­gie „Herr Klee und Herr Feld”.

Die bei­den Brü­der Moritz und Alfred Klee­feld sind in die Jah­re gekom­men und haben beschlos­sen in Moritz Grün­der­zeit­vil­la im Westend eine Geschwis­ter-WG zu grün­den.

Alfred, ali­as „Fred­dy Clay” schwelgt in Erin­ne­run­gen an sein zweit­klas­si­ges Schau­spie­l­er­da­sein, Moritz, einst Stu­dent der Frank­fur­ter Schu­le, ehe­ma­li­ger Lin­ker und Pro­fes­sor der Psy­cho­lo­gie besteht auf einem kosche­ren Haus­halt (er lässt sich z.B. sei­nen Kuchen im Café Lau­mer auf mit­ge­brach­tem kosche­rem Geschirr servieren).Sie pfle­gen hypo­chon­drisch ihre Weh­weh­chen und Marot­ten und ver­su­chen sich mit ein­ge­bil­de­ten Lei­den zu über­bie­ten. Sie befin­den sich dabei in einem stän­di­gen nerv­tö­ten­den Klein­krieg.

Von einem Tag auf den ande­ren gerät ihre ein­ge­spiel­te häus­li­che Ord­nung ins Wan­ken als die lang­jäh­ri­ge Haus­häl­te­rin Frau Stöck­lein, zer­mürbt von den Schi­ka­nen Alfreds, kün­digt.

Auf eine Annon­ce stel­len sich 14 Bewer­be­rin­nen für die aus­ge­schrie­be­ne Stel­le als Haus­da­me vor. Die Wahl der bei­den Brü­der fällt, man glaubt es nicht, auf die Pläs­ti­nen­se­rin Zami­ra, eine jun­ge Frau aus Hebron, die sie mit ihrer Schön­heit und ihrem Charme von Anfang an bezau­bert.

Sie war von außer­ge­wöhn­li­cher Schön­heit. Schwar­zes Haar, hell­brau­ne Haut, gro­ße, dunk­le, strah­len­de Augen mit hohen Brau­en. Ihr auf­rech­ter Gang, der ihre Grö­ße noch unter­strich. Sie trug Jeans und Kapu­zen­ja­cke. Selbst in die­ser ein­fa­chen, unauf­fäl­li­gen Klei­dung wirk­te sie stil­voll und edel.”

Von heu­te auf mor­gen muss nun Zami­ra einen kosche­ren Haus­halt füh­ren und meis­tert die Her­aus­for­de­rung mit unvor­ein­ge­nom­me­ner Spon­ta­nei­tät, wobei es ihr gelingt die bei­den alten Kampf­häh­ne auch ab und an mit den Lecker­bis­sen der paläs­ti­nen­si­schen Küche zu ver­füh­ren.

Alfred und Moritz über­tref­fen sich der jun­gen Frau gegen­über mit Lie­bens­wür­dig­keit und Für­sor­ge und ver­ges­sen dabei Zip­per­lein und Hypo­chon­drie. Statt­des­sen erobern sich schon bald Eifer­sucht und Riva­li­tät zwi­schen den bei­den unglei­chen Brü­dern ihren Platz, und es ent­spinnt sich eine Art kal­ter Bru­der­krieg. Ver­gan­ge­nes, Unver­ar­bei­tets bricht auf, und in einer Rück­schau wer­den die Bio­gra­phie der bei­den unglei­chen Brü­der gezeigt. Fami­li­en­ge­heim­nis­se gelan­gen an die Ober­flä­che, schmerz­li­che Erleb­nis­se in der Kind­heit, Flucht vor den Nazis, Ermor­dung des Vaters im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger.….. dabei pas­siert „ein hal­bes Jahr­hun­dert jüdi­sches Leben in der Bun­des­re­pu­blik Revue”.

Und das Zusam­men­le­ben mit Zami­ra ist auch nicht ganz kon­flikt­frei: „Jeden Abend Angst vor der Tages­schau. Wie behan­delt Isra­el wie­der die Paläs­ti­nen­ser? Was ist jetzt wie­der und müs­sen wir uns schä­men, uns ver­tei­di­gen?”

Zami­ra hält mit ihrer Kri­tik am israe­li­schen Staat nicht hin­term Berg und bringt Moritz und Alfred zum Über­den­ken ihrer Stand­punk­te in Sachen Inti­fa­da und Paläs­ti­nen­ser­po­li­tik. Über die Aus­ein­an­der­set­zun­gen am Ess­tisch ist das Drei­ge­spann jedoch bereit sich trotz aller Wider­sprü­che und Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten manch­mal ein­an­der anzu­nä­hern. .….…..

Moni­ka Rieth

 

Buch Aktu­ell 31.07.2013

 

Das Leben — immer wie­der neu

Mei­ne Her­ren! Ich wer­de Sie ver­las­sen!“ – Ein Satz genügt, und es ist vor­bei mit dem wohl­ge­ord­ne­ten Leben, in dem sich die Brü­der Moritz (77) und Alfred (75) Klee­feld in ihrer Frank­fur­ter Vil­la ein­ge­rich­tet haben. Nach über 30 Jah­ren kün­digt die Haus­häl­te­rin, ent­nervt von Über­heb­lich­keit und Miss­ach­tung, ihren Job. Ersatz ist zwar schnell gefun­den, doch die bild­hüb­sche 28-jäh­ri­ge Zami­ra bringt nicht nur neu­en Schwung in den ver­staub­ten All­tag des jüdi­schen Haus­halts, sie ist auch noch Paläs­ti­nen­se­rin! Im Mikro­kosmos der Frank­fur­ter Grün­der­zeit­vil­la spie­gelt sich die Pro­ble­ma­tik des Alterns eben­so, wie der Kon­flikt zwi­schen Paläs­ti­na und Isra­el.

Mit Humor und fei­nem jüdi­schem Witz erzählt Michel Berg­mann von einem lan­gen jüdi­schen Leben in Deutsch­land. Immer wie­der lässt er in Rück­blen­den die Erin­ne­rung an Ver­fol­gung und Ver­zweif­lung, aber auch an Neu­an­fang und die Suche nach neu­er Iden­ti­tät und Hei­mat leben­dig wer­den.

Mit „Herr Klee und Herr Feld“ ist Michel Berg­mann ein wun­der­ba­rer Abschluss sei­ner „Teilacher“-Trilogie gelun­gen.

AVIVA-BERLIN.de im Juli 2013:

 

Die Tri­lo­gie beginnt mit dem Besuch des jun­gen Schau­spie­lers Alfred Klee­feld im jüdi­schen Alters­heim in Frank­furt (“am Arsch der Welt”), wo er das Zim­mer sei­nes grad ver­stor­be­nen Nenn- und Lieb­lings­on­kels David Ber­mann aus­räu­men soll, und sie endet 40 Jah­re spä­ter mit Alfreds eige­nem Tod. Dazwi­schen liegt – ver­schach­telt in meh­re­ren Hand­lungs­strän­gen – ein Uni­ver­sum an exem­pla­ri­schen Lebensgeschichten.Während Alfred im ers­ten Band Onkel Davids Nach­lass sor­tiert (und dabei eine scho­ckie­ren­de Ent­de­ckung macht), erin­nert er sich anhand der Fund­stü­cke – Bil­der, Brie­fe, Doku­men­te – an die Geschich­te Davids, der unter ande­rem der Lieb­ha­ber sei­ner Mut­ter war, die sich und ihre bei­den Söh­ne Moritz und Alfred in die USA hat­te ret­ten kön­nen, wäh­rend ihr Mann ermor­det wurde.David Ber­mann, der lebens­klu­ge “Teila­cher” (jiddisch/berlinerisch: Ein­zel­han­dels­ver­tre­ter) und sei­ne Freun­de waren ent­wur­zel­te Men­schen, die oft als Ein­zi­ge ihrer Fami­lie über­lebt haben und ent­we­der aus einem Lager oder vom Todes­marsch oder aus Shang­hai in ihre Hei­mat­stadt zurück­ge­kehrt waren, oder womög­lich gera­de dem ers­ten Nach­kriegs­po­grom in Polen ent­kom­men, auf dem Weg von Nir­gends nach Nir­gends hier gestran­det waren, in einem DP-Lager. Berg­mann erzählt die Geschich­ten die­ser Fajin­brots und Szoros´, Holz­manns und Ver­stän­digs, Kraut­bergs und Frän­kels – die statt Arzt oder Anwalt gewor­den zu sein, unter pro­tek­zje der Ame­ri­ka­ner nun Weiß­wä­sche ver­kauf­ten und alle im wahrs­ten Sin­ne “dis­pla­ced per­sons” waren.“Und dann ist man ja geblieben“Es geht um Lebens­mit­tel­be­zugs­schei­ne, Gemein­schafts­kü­chen, Bara­cken und wie­der Zäu­ne (“um die Juden vor den Deut­schen zu schüt­zen”) und im zwei­te Band “Mach­loi­kes” (jid­disch: Ärger, Zwie­spalt, Zwist) auch dar­um, war­um man geblie­ben war. “Man hat ken­nen­ge­lernt a Frau. Hat bekom­men Kin­der. Wie das so ist. Und dann ist man ja geblie­ben”. Und dann hat man mit dem Spa­gat und den ver­meint­lich gepack­ten Kof­fern leben müs­sen: “Man hat­te ja schon das Ticket ins Glück. Nur die Abrei­se hat sich ver­zö­gert. Aber wehe, die Toch­ter ver­liebt sich in einen Deut­schen! Na, dann ist das Geschrei groß.“Doch inzwi­schen war man im Jahr des “Wun­ders von Bern” ange­kom­men. Für die Deut­schen ging es berg­auf und auch die Teila­cher hat­ten sich irgend­wie ein­ge­rich­tet in ihrer Par­al­lel­welt zwi­schen all den Mit­läu­fern und Weg­gu­ckern. Sie ver­scher­bel­ten den Deut­schen wei­ter Wäsche­pa­ke­te an der Tür oder eröff­ne­ten Tep­pich­lä­den (und ver­kauf­ten nach der Krö­nung von Köni­gin Eliza­beth das Modell “Buck­ing­ham-Palast” wie geschnit­ten Brot). Alfred, inzwi­schen 15, spar­te auf ein Renn­rad (“Donisel­li”, mit Acht-Gang-Schal­tung und Brooks-Sat­tel) und ver­lieb­te sich in Juli­et­te und anschlie­ßend in Car­la. Aus der Wur­lit­zer dudel­ten Schla­ger, man wusch mit Per­sil, fuhr DKW – nur nicht Alfred, der fuhr auf Macha­ne nach Wem­bach und soll­te zio­nis­ti­sche Lie­der ler­nen und die Thea­ter­grup­pe in der Jüdi­schen Gemein­de lei­ten, wäh­rend sein Bru­der bereits stu­dier­te. Im Arbei­ter- und Bau­ern­staat neben­an ging man auf die Bar­ri­ka­de (“Oj, Kel­bassa, is er a schmock! Er weiß vom Sozia­lis­mus wie a Hahn vom Eier­le­gen”), und im Wes­ten lie­fen die Wie­der­gut­ma­chungs­de­bat­ten und wur­de Onkel Davids Freund Robert Frän­kel, vor dem Krieg ein bekann­ter Con­fe­ren­cier in Ber­li­ner Varie­tés, von der CIA vor­ge­la­den, weil die ihn ver­däch­tig­te, mit den Nazis kol­la­bo­riert zu haben…Michel Berg­mann ist Regis­seur und Dreh­buch­au­tor und jon­gliert rou­ti­niert mit Plots und Poin­ten. Bei all den grau­sa­men Details, die er zu erzäh­len hat, gelingt ihm eine selbst­iro­ni­sche Lako­nie und Leich­tig­keit, die Lese­spaß berei­tet. Und er kennt sei­nen Stoff bis ins Detail. Kein Wun­der, das Umfeld, in dem sei­ne Roma­ne spie­len, ist das Umfeld, in dem er auf­ge­wach­sen ist. Berg­mann ist als Kind jüdi­scher Eltern 1945 in einem Schwei­zer Inter­nie­rungs­la­ger gebo­ren und zwi­schen Men­schen, wie er sie beschreibt, groß gewor­den. Sein Jid­disch wirkt so authen­tisch wie die gro­ße Sym­pa­thie zu sei­nen Figu­ren. Wenn Berg­mann über die Kin­der sei­ner Gene­ra­ti­on schreibt: “Waren sie aus dem Mas­sen­grab ent­kom­men, so wuch­sen sie doch am Ran­de eines sol­chen auf”, liegt dar­in zugleich einer der Grün­de für Befind­lich­kei­ten und Reak­tio­nen jüdisch-deut­scher Erwach­se­ner heute.Und im Heu­te sind auch die Brü­der Alfred und Moritz, inzwi­schen 75 und 78 Jah­re alt, im gera­de erschie­ne­nen Abschluss der Trio­lo­gie “Herr Klee und Herr Feld” ange­kom­men – bei iPho­ne und iPad, bei Finanz­kri­se, Hur­ri­can San­dy und selbst­ge­fäl­li­gen Stu­den­ten mit “Pali-Lum­pen” um den Hals, die sich auf der rich­ti­gen Sei­te der Geschich­te füh­len. Die Brü­der woh­nen nun zusam­men, nach­dem sich Alfred (Künst­ler­na­me “Fred­dy Clay”) einen Namen als Mumie in Hor­ror­fil­men und sein Bru­der als Psy­cho­lo­gie­pro­fes­sor gemacht hat­te. Ihr Zusam­men­le­ben gestal­tet sich aller­dings reich­lich ner­ven­auf­rei­bend. Pro­fes­sor Moritz, der ehe­ma­li­ge Lin­ke mit Herz­in­farkt, kocht zur Ent­span­nung Mar­me­la­de, führt einen “Koscher-light”-Haushalt, schleppt sein eige­nes Geschirr mit ins Restau­rant und geht sei­nem Lais­sez-fai­re-Bru­der mit sei­nen Ticks gewal­tig auf den Geist. Hypo­chon­der sind bei­de, und eines Tages hat auch die lang­jäh­ri­ge Haus­da­me die Nase voll und kün­digt. Unter den Bewer­be­rin­nen, die sich auf die Stel­len­an­zei­ge mel­den, wird eine jun­ge glut­äu­gi­ge Schön­heit aus­ge­sucht. Die Sache hat nur einen Haken: die gute Zami­ra ist aus Hebron und Palästinenserin.Der Arg­wohn der bei­den – eine ara­bi­sche Mata Hari, eine Bom­ben­bast­le­rin? – weicht jedoch schnell, denn Zami­ra zeigt Ver­ständ­nis für all die Macken der Her­ren Klee und Feld, bekocht die bei­den alten Zau­sel mit Lok­schen­sup­pe, wäh­rend die sich wei­ter kab­beln und jeder auf sei­ne Wei­se um die schö­ne Zami­ra herumschwänzeln.Zwischen den Rück­blen­den – Alfred als Piz­za-Aus­fah­rer in den 50ern (es ist die Zeit von Bols Grün und Dave Bru­beck), sei­ne Schau­spiel­kar­rie­re in Rom, der Sui­zid der Mut­ter – ist nun Zeit für einen Ritt durch die Ver­schrän­kun­gen der ara­bi­schen und jüdi­schen Geschich­te im Nahen Osten, denn weder Zami­ra noch Alfred und Moritz schlu­cken alles, was die Gegen­sei­te an “Tat­sa­chen” und Vor­wür­fen parat hat. Und wäh­rend Zami­ra “die Juden” mit ande­ren Augen zu sehen beginnt, sagt nun Moritz über Alfred: “Er lei­det immer wie ein Hund, wenn Isra­el sich schlecht benimmt”. Und auch der Haus­arzt der bei­den weiß Zami­ras Wir­kung auf die Herrn Klee und Herr Feld zu schät­zen: “Wenn Sie nicht da sind, sind die bei­den noch unerträglicher”.Als Zami­ra sich dann bei einem Besuch im fer­nen Bei­rut ver­liebt, jam­mert Alfred wie die sprich­wört­li­che jid­di­sche Mame: “Aber war­um muss es ein Ara­ber sein? Hät­te sie nicht hier einen net­ten jüdi­schen Arzt ken­nen­ler­nen können?“Keiner kann aus sei­ner Haut. Auch am Ende sei­nes Lebens ist a jid a jid. Berg­mann lässt Alfred in sein Tage­buch schrei­ben: “Ich bin und blei­be Jude. Ich habe eine Juden­na­se. Ich spre­che mit jüdi­schem Ton­fall, den ich geschickt unter­drü­cke. Mir fehlt es an Kul­tur, aber ich ver­de­cke das durch zu viel Kul­tur. Ich bin rück­wärts gewandt, aber ich mache auf modern und pro­gres­siv. Ich bin gläu­big, aber tar­ne mich als Athe­ist. Ich bin Kapi­ta­list, aber ich mache auf Sozia­list. Ich ent­spre­che dem Bild, das die Welt von Juden hat.“Und wir hof­fen, dass Michel Berg­mann bald einen neu­en Roman beginnt, am bes­ten eine Tri­lo­gie.

 e-book online 16.07.2013

Der Roman “Herr Klee und Herr Feld” ist der drit­te Band von Michel Berg­manns Tri­lo­gie (Band 1: Die Teila­cher, Band 2: Mach­loi­kes)

Alfred Klee­feld, noch jung in “Die Teila­cher”, ist nun ein alter Mann in den sieb­zi­ger Jah­ren. Gemein­sam mit sei­nem Bru­der Moritz lebt er in einer alten Frank­fur­ter Vil­la aus der Grün­der­zeit. Alfred hat ein Leben als wenig erfolg­rei­cher Schau­spie­ler hin­ter sich; Moritz war Pro­fes­sor für Psy­cho­lo­gie. Moritz war ver­hei­ra­tet mit der inzwi­schen ver­stor­be­nen Fan­ny. Bei­de Brü­der sind kin­der­los geblie­ben. Um nicht allei­ne zu sein, hat Alfred das Ange­bot ange­nom­men, von Rom zu Moritz in die Vil­la zu zie­hen.

Moritz hält sich mehr oder weni­ger an die jüdi­schen Tra­di­tio­nen, führt einen kosche­ren Haus­halt — Alfred sieht es locke­rer.

Sowohl Alfred als auch Moritz pfle­gen ihre Marot­ten. Alfred wider­steht den Erzie­hungs­ver­su­chen sei­nes Bru­ders.

Als ihre Haus­häl­te­rin Frau Stöck­lein kün­digt, müs­sen sie eine neue Hil­fe suchen und geben eine Zei­tungs­an­non­ce auf. Es mel­det sich aus­ge­rech­net eine jun­ge Paläs­ti­nen­se­rin, Zami­ra.

Doch die anfäng­li­chen Beden­ken ver­flüch­ti­gen sich. Die Drei ver­ste­hen sich gut und die bei­den Her­ren bemü­hen sich sehr um Zami­ra.

Den­noch ganz ohne Span­nun­gen geht es nicht zu unter den Drei­en. Gemein­sa­mes Sehen der Nach­rich­ten führt zu Dis­kus­sio­nen über die israe­li­sche Poli­tik.

Michel Berg­manns Roman lässt sich flüs­sig und amü­sant lesen. Inter­es­sant ist die Dar­stel­lung von jüdi­scher und paläs­ti­nen­si­scher Sicht­wei­se, wenn auch in ver­ein­fach­ter Form. Wei­te­re Denk­an­stö­ße lässt der Autor mit ein­flie­ßen, sei es die Beschnei­dung oder die Kreuz­zü­ge.

Ich habe den Roman ger­ne gele­sen

 

 Das Leben — immer wie­der neu

Mei­ne Her­ren! Ich wer­de Sie ver­las­sen!“ – Ein Satz genügt, und es ist vor­bei mit dem wohl­ge­ord­ne­ten Leben, in dem sich die Brü­der Moritz (77) und Alfred (75) Klee­feld in ihrer Frank­fur­ter Vil­la ein­ge­rich­tet haben. Nach über 30 Jah­ren kün­digt die Haus­häl­te­rin, ent­nervt von Über­heb­lich­keit und Miss­ach­tung, ihren Job. Ersatz ist zwar schnell gefun­den, doch die bild­hüb­sche 28-jäh­ri­ge Zami­ra bringt nicht nur neu­en Schwung in den ver­staub­ten All­tag des jüdi­schen Haus­halts, sie ist auch noch Paläs­ti­nen­se­rin! Im Mikro­kosmos der Frank­fur­ter Grün­der­zeit­vil­la spie­gelt sich die Pro­ble­ma­tik des Alterns eben­so, wie der Kon­flikt zwi­schen Paläs­ti­na und Isra­el.

Mit Humor und fei­nem jüdi­schem Witz erzählt Michel Berg­mann von einem lan­gen jüdi­schen Leben in Deutsch­land. Immer wie­der lässt er in Rück­blen­den die Erin­ne­rung an Ver­fol­gung und Ver­zweif­lung, aber auch an Neu­an­fang und die Suche nach neu­er Iden­ti­tät und Hei­mat leben­dig wer­den.

Mit „Herr Klee und Herr Feld“ ist Michel Berg­mann ein wun­der­ba­rer Abschluss sei­ner „Teilacher“-Trilogie gelun­gen.

Buch aktu­ell 21.06.2013

 

End­lich ist er da, der heiß­ersehn­te drit­te Teil der Tri­lo­gie um Alfred Klee­feld. Nach „Die Teila­cher“ und „Mach­loi­kes“ kehrt Fred­dy, inzwi­schen 75 jäh­rig, aus Rom zurück nach Frank­furt und zieht bei sei­nem ver­wit­we­ten Bru­der Moritz ein. Auf eine gro­ße Schau­spiel­kar­rie­re kann er nicht zurück­bli­cken, aber dafür auf umso mehr ein­ge­bil­de­te Krank­hei­ten. Als ers­tes ver­grault er die lang­jäh­ri­ge Haus­an­ge­stellt des Bru­ders und die Suche nach einer neu­en Per­le gestal­tet sich außer­or­dent­lich schwie­rig, muss sie doch bei­den Brü­dern zusa­gen. Zuletzt eini­gen sie sich aus­ge­rech­net auf eine jun­ge und bild­schö­ne Paläs­ti­nen­se­rin, was selbst­re­dend zu vie­len Dis­kus­sio­nen um den Nah­ost­kon­flikt und zu oft unan­ge­neh­men Miss­ver­ständ­nis­sen, aber auch zu berüh­ren­den Sze­nen führt.

Michel Berg­mann ver­steht es wie­der ein­mal aus­ge­zeich­net, sei­ne Leser zu fes­seln. Man sieht die Figu­ren des Romans förm­lich vor sich, lacht mit ihnen und über sie und kann dann und wann auch eini­ge Trä­nen nicht unter­drü­cken. Und doch unter­schei­det sich die­ser Teil von den bei­den ers­ten. Zual­ler­erst des­halb, weil die­ser Roman das Jetzt und Heu­te wider­spie­gelt und natür­lich auch, weil er dem Leser spä­tes­tens am Ende klar­macht, dass es eigent­lich kei­nen wei­te­ren Teil mehr geben wird. Scha­de ist das! Aber: Wer weiß? Hof­fen darf man ja!

WIZO-Maga­zin

 


 

Welch ein Genuss die­ses Buch zu lesen! Wie­der gelingt es Michel Berg­mann auf sei­ne ganz eige­ne Wei­se, mich hin­ein­zu­neh­men in die Lebens­welt die­ser nun altern­den Män­ner. Sind die ers­ten Sei­ten wie­der vol­ler skur­ri­ler Sze­nen, die mich zum Schmun­zeln brin­gen, so schleicht sich dann zuneh­mend die gan­ze Pro­ble­ma­tik ein, die die Ver­gan­gen­heit, die Gegen­wart und auch die Zukunft eines jüdi­schen Lebens in Deutsch­land bestimmt. Bis zuletzt ist die Aktua­li­tät des israe­lisch-paläs­ti­ne­si­schen Kon­flikts geschil­dert. Stim­mig alle Cha­rak­te­re, nach­voll­zieh­ba­re Gefühls­la­gen, glaub­wür­di­ge Sze­ne­rie.
Lie­be­voll und zart hat er den Sack zuge­bun­den, der uns die Lebens­welt der Teila­cher vom Holo­caust bis heu­te erle­ben lies.
Scha­de, nun gibt es kei­nen wei­te­ren Teil auf den ich mich freu­en, und den ich mit gro­ßer Span­nung erwar­ten kann.
Esther Baum-Schal­ler

 

Lie­ber Michel,
eben habe ich Dei­nen Roman bewegt zu Ende gele­sen und möch­te Dir
schnell zu dem so gelun­ge­nen Abschluß der Tri­lo­gie gra­tu­lie­ren.
Es ist Dir wun­der­bar gelun­gen, die Geschich­te bis zum Ende span­nend zu hal­ten, Dei­ne Leser zu unter­hal­ten, sie zugleich unauf­dring­lich über vie­les zu infor­mie­ren und sie nach­denk­lich zu machen, ohne sie je bes­ser­wis­se­risch zu beleh­ren.
Und der Schluß ist gro­ßes, anrüh­ren­des Kino.
Kom­pli­ment! Ich wün­sche Dei­nem Roman jeden Erfolg und Dir alles, alles Gute.
Ganz herz­lich,
Dei­ne Sabi­ne

Lie­ber Michel,

es kommt sel­ten vor, dass mich eine Lek­tü­re so glück­lich macht.

Das ein­zi­ge, was ich dir wirk­lich vor­wer­fe ist, dass es eine

Tri­lo­gie ist und nicht eine Tetra­lo­gie.

Herz­lichst

Max


Dear Mimi
About Herr Klee und Herr Feld-I was magi­cal­ly con­su­med by it and spent 2 days rea­ding all of it. I beca­me mys­te­rious­ly atta­ched to Moritz and Alfred and when Frau Sto­eck­lein reap­peared I felt a sen­se of loss, as it signi­fied the send of the sto­ry. I tried to under­stand why I was so magi­cal­ly drawn to Alfred and Moritz. Two “epi­pha­nies;” They rep­re­sent a com­po­si­te of you, my fri­end Mimi. Moritz the sen­si­ti­ve intel­lec­tu­al and Alfred, the adven­tur­ous non-con­for­mist who refu­ses to give up his ado­le­scent.

The book also mari­na­tes in Jid­dish­keit –the dia­lo­gues, the jokes, the neu­ro­sis- I loved it. Bocken­hei­mer Land­stras­se- the name brought me back to my child­hood and igni­ted a power­ful sen­se of nost­al­gia. I felt as if I was more than just a reader, but a par­ti­ci­pant of your sto­ry.

Let’s hear from you.

Hugs and kis­ses, leon


Mit einem lachen­den und einem wei­nen­den Auge

Sil­via Gug­ler emp­fiehlt “Herr Klee und Herr Feld”. “Herr Klee und Herr Feld”, das sind im gleich­na­mi­gen Roman Michel Berg­manns die Brü­der Alfred und Moritz Klee­feld. Der eine war Film­schau­spie­ler, der ande­re ist eme­ri­tier­ter Pro­fes­sor der Psy­cho­lo­gie. Bei­de sind Juden, über 70 Jah­re alt, etwas schrul­lig, aber lie­bens­wert. Als Alfred aus Rom nach Frank­furt kommt und zu sei­nem Bru­der in die Grün­der­zeit­vil­la ein­zieht, ent­ste­hen unvor­her­ge­se­he­ne Pro­ble­me, die dazu füh­ren, dass Frau Stöck­lein, die Haus­häl­te­rin des Pro­fes­sors, das Haus verlässt.Neue Span­nun­gen kom­men auf, als die Nach­fol­ge­rin aus­ge­sucht ist: Zami­ra. “Sie hat die bei­den Her­ren mit ihrer Schön­heit und ihrem Charme bezau­bert,” erläu­tert Sil­via Gug­ler. “Aber Zami­ra ist Paläs­ti­nen­se­rin aus Hebron. Das wird schwie­rig, denn Alfred wird wütend über jede Äuße­rung, die Juden in ein schlech­tes Licht set­zen könn­te. Er ver­tei­digt Isra­el mit Zäh­nen und Klau­en, obwohl er selbst die jüdi­schen Geset­ze nicht ein­hält. Moritz hat im Alter die jüdi­schen Tra­di­tio­nen wie­der­ent­deckt und ist eben­falls sehr stolz auf sei­ne Her­kunft.”

Michel Berg­mann schil­dert in leben­di­gen Sze­nen, wie Alfred, Moritz und Zami­ra zusam­men leben, wie sie in Gesprä­chen über aktu­el­le The­men Gegen­wart und Geschich­te aus unter­schied­li­chen Blick­win­keln betrach­ten und trotz­dem für­ein­an­der ein­ste­hen. “Die Dia­lo­ge sind gespickt mit Humor und fei­nem jüdi­schem Witz, zuwei­len auch mit pol­tern­dem Zynis­mus”, sagt die Buch­händ­le­rin.

Rück­bli­ckend ent­ste­hen Lebens­bil­der der drei Prot­ago­nis­ten. “Schmerz, Abgrün­de, Ver­sa­gen, aber auch Schön­heit, Glück und Erfül­lung des Lebens beschreibt der Autor ganz unpa­the­tisch und in ange­neh­mem Ton­fall. Leid wird nicht aus­ge­klam­mert. Am Ende klappt der Leser das Buch mit einem lachen­den und einem wei­nen­den Auge zu”, sagt Sil­via Gug­ler. Am Stil des Buches spü­re man, und zwar in posi­ti­vem Sin­ne, dass Michel Berg­mann auch Dreh­buch­au­tor ist. “Hier ist lesen Kino im Kopf.” Info Michel Berg­mann: Herr Klee und Herr Feld. Arche Ver­lag, 379 Sei­ten, 19.95 Euro.

Ein Kam­mer­spiel kau­zi­ger alter Her­ren
“Herr Klee und Herr Feld” behar­ken sich stän­dig in ihrer Vil­la. Als die jun­ge Paläs­ti­nen­se­rin Zami­ra auf­taucht, mischt sie den All­tag der bei­den alten Her­ren ziem­lich auf. mehr

Bern (APA/sda) — „Wein­he­bers Kof­fer“ des gebür­ti­gen Schwei­zers Michel Berg­mann ist ein süf­fig-hei­te­rer und den­noch dop­pel­bö­di­ger Roman. Er beginnt als Spu­ren­su­che nach einem ver­schol­le­nen Kof­fer­be­sit­zer und lie­fert ein Pan­ora­ma jüdi­scher Leidensgeschichte(n) aus fast 100 Jah­ren.
Auf der Suche nach einem Geschenk für sei­ne Freun­din stößt Eli­as Ehren­werth in einem Ber­li­ner Trö­del­la­den auf einen alten, edlen Kof­fer, der — welch glück­li­che Fügung! — die Initia­len sei­ner Freun­din trägt: L.W. Doch dann mag er das Fund­stück doch nicht ver­schen­ken, jeden­falls nicht, bevor er das Geheim­nis um den ursprüng­li­chen Besit­zer, einen 1939 ver­schol­le­nen jüdi­schen Autor geklärt hat.
Ehren­werths Jagd­fie­ber — und mit ihm das der Leser — steigt von Sei­te zu Sei­te: Der unmit­tel­ba­re Vor­be­sit­zer war Hamed, ein ara­bi­scher Stu­dent aus Isra­el, der die Anti­qui­tät von sei­nem Groß­va­ter bekom­men hat. Und die­ser hat­te den Kof­fer 1939 im Hafen von Jaf­fa an sich genom­men, weil kein Pas­sa­gier des zuge­hö­ri­gen Ein­wan­de­rer­schiffs ihn abhol­te. Wo aber ist Wein­he­ber abge­blie­ben?
Eli­as fliegt nach Isra­el und spricht bei Opa Gibril vor. Die­ser hat vom Kof­fer­in­halt eine Rei­se­schreib­ma­schi­ne und ein Doku­men­ten­kon­vo­lut auf­be­wahrt, das darf Ehren­werth ger­ne haben. Auf die Schreib­ma­schi­ne ver­zich­tet der Recher­cheur — ein Feh­ler, wie sich zeigt, denn sie ent­hält den ent­schei­den­den Hin­weis.
Auf die Papie­re — eine Samm­lung Brie­fe und ein Roman­ma­nu­skript — aber stürzt sich Ehren­werth gie­rig. Sie erzäh­len ihm zwei Geschich­ten: die wah­re Lie­bes­ge­schich­te zwi­schen dem Autor Leo­nard Wein­he­ber und der Schau­spie­le­rin Hele­ne Rosen­blum wäh­rend der Nazi­zeit und die fik­ti­ve Geschich­te eines Anwalts, der nach dem Pogrom im Ber­li­ner Scheu­nen­vier­tel 1923 einem jüdi­schen Krä­mer zu sei­nem Recht ver­hel­fen will. Kei­ne der Geschich­ten geht gut aus.
Par­al­lel zur Lek­tü­re forscht Ehren­werth in Isra­el nach Leu­ten, die Wein­he­ber gekannt haben könn­ten. Nicht alle Gesprä­che sind hilf­reich, vie­le ver­mit­teln „nur“ his­to­ri­sche Stim­mungs­la­gen — in Nazi­deutsch­land eben­so wie im jun­gen Staat Isra­el.
Nur eine Per­son spürt er auf, die Wein­he­ber näher­ge­kom­men ist: Eine Frau, damals noch ein Teen­ager, hat­te auf der Über­fahrt nach Isra­el ver­sucht, mit dem Autor anzu­ban­deln. Es zeigt sich, dass Wein­he­ber Deutsch­land — auch wenn es ihn als Juden übel behan­del­te — nur ungern ver­ließ. Ein­zig die gro­ße Lie­be, die ihm ins Kib­buz vor­aus­ge­gan­gen war, ver­lieh sei­nem Exil Sinn. Den­noch ging er nicht von Bord.
Viel­leicht spukt er als Ewi­ger Jude noch immer auf einem Schiff her­um, sug­ge­riert ein­mal jemand — ewig auf Über­fahrt, weder im Geburts­land zu Hau­se noch im Gelob­ten Land. Das erweist sich am Schluss als gar nicht so falsch.
Unter­füt­tert hat Berg­mann die äuße­re Hand­lung mit der Paläs­ti­na­fra­ge. Ehren­werth ist — anders als sein intel­lek­tu­el­les Ber­li­ner Umfeld — ein glü­hen­der Ver­tei­di­ger Isra­els. Immer wie­der führt er Streit­ge­sprä­che, nament­lich mit sei­nem paläs­ti­nen­si­schen Freund Amin. Der Autor Berg­mann schlägt sich dabei aber nicht auf Ehren­werths Sei­te, son­dern zeigt bei­de Sei­ten der Medail­le.
Und so ent­steht eine drit­te Geschich­te: Die Wand­lung des Klug­schei­ßers Ehren­werth zu einem, der in Gesprä­chen mit ver­schie­dens­ten, von der Paläs­ti­na­fra­gen betrof­fe­nen Men­schen zu einer dif­fe­ren­zier­te­ren Ein­stel­lung fin­det. Wein­he­bers Kof­fer, sagt er ein­mal, habe ihn gefun­den, nicht umge­kehrt — Wein­he­bers Kof­fer habe sein Leben ver­än­dert.
Berg­mann hat die Gabe, Witz und Tief­grün­dig­keit zur span­nen­den Unter­hal­tung zusam­men­zu­spin­nen. Er ver­dich­tet eine Viel­zahl von Moti­ven auf nur 142 Sei­ten — und den­noch wirkt das Gele­se­ne luf­tig. Wie weni­ge ver­steht er es über­dies, die Ton­ar­ten sei­nen Cha­rak­te­ren anzu­pas­sen: Ehren­werth, Wein­he­ber, Hele­ne und die ver­schie­de­nen Zeit­zeu­gen haben ihre je eige­ne Aus­drucks­wei­se. Soli­des Hand­werk.