„Nachdem ich einmal angefangen hatte, gab es kein Halten mehr".

Presse / Kommentare

Die Teila­cher von Michel Berg­mann

Tipp von Sarah Reul, 5.3.2012

 

Die Teilacher

Die­ses Buch habe ich von einer sehr lie­ben Freun­din emp­foh­len bekom­men. Die Tei­la­cher (eine Bezeich­nung aus dem Jid­di­schen für die jüdi­schen Haustür­ver­tre­ter) beschreibt eine Grup­pe die­ser Händ­ler in Frank­furt nach Ende des Krie­ges. Wir haben es (auf­grund der Nähe zu Frank­furt) sowie­so schon ganz gut ver­kauft und wie es dann so ist – man will die­ses Buch ger­ne lesen, was so läuft wie geschnit­ten Brot, es ist aber nicht die rech­te Zeit dazu. Nun end­lich habe ich es gele­sen und frag­te mich: War­um nicht schon frü­her? So ein fei­nes Buch!

Ich weiß gar nicht wo ich anfan­gen soll: der Mut die­ser Män­ner, zurück­zu­kom­men, neu anzu­fan­gen? Die jid­di­schen Begrif­fe, eine Spra­che die mir auf unbe­kannte Wei­se nahe geht? Die Chuz­pe, mit der geschil­dert wird, wie sich die Tei­la­cher durch­schla­gen? Das Erken­nen von Stra­ßen, Plät­zen, Häu­sern inner­halb Frank­furts? Die wirk­lich span­nende und bewe­gende Geschich­te, in der sowohl Leid als auch der jüdi­sche Humor immer wie­der durch­blit­zen? Der prag­ma­ti­sche und doch so für sich ein­neh­mende Stil? Es ist ein beein­dru­cken­des Buch und ich freue mich schon auf den “zwei­ten Teil” -“Mach­loi­kes“!

Was ist ein Teila­cher?

Ein Teila­cher ist „das kleins­te spalt­ba­re Teil­chen, das Atom der Kauf­manns­welt“, mit  ande­ren Wor­ten: ein Hand­lungs­rei­sen­der. „Aber was den Teila­cher vom her­kömm­li­chen Hand­lungs­rei­sen­den unter­schei­det: Der Teila­cher ist Jude. Oder er gibt sich als sol­cher aus.“ David Ber­man ist Jude und muss sich nicht als sol­cher aus­ge­ben, vor allem aber ist er der unbe­strit­te­ne „Ein­stein unter den Teila­chern“, ein Lebe­mann und Lebens­künst­ler, vor allem aber ein genia­ler Ver­käu­fer, der sei­ner Arbeit noch aus dem Alters­heim her­aus nach­geht, Par­kin­son hin und Lun­gen­krebs her.

Nach Davids Tod steht der jun­ge Alfred vor der unan­ge­neh­men Auf­ga­be, das Zim­mer sei­nes Nen­n­on­kels aus­zu­räu­men. All die Fotos, Schall­plat­ten, Bücher, Bil­der wecken Erin­ne­run­gen, aus denen nach und nach David Ber­mans Leben ersteht: Gebo­ren in Gali­zi­en, mit den Eltern nach Frank­furt gezo­gen, Mit­ar­beit im elter­li­chen Wäsche­ge­schäft, das sei­ne Brü­der und er zu einem erfolg­rei­chen Unter­neh­men machen, Aus­stieg aus dem gere­gel­ten Leben des Geschäfts­manns zuguns­ten der freie­ren Exis­tenz des Teila­chers, Affä­ren Lie­bes­ge­schich­ten, Flucht nach Frank­reich, Frem­den­le­gi­on und schließ­lich Rück­kehr ins zer­stör­te Deutsch­land. Aber war­um ist er nach dem Krieg und dem Holo­caust aus­ge­rech­net nach Deutsch­land zurück­ge­kehrt? Die­se Fra­ge kön­nen Alfred die Freun­de sei­nes Onkels beant­wor­ten, Ver­stän­dig, Fajn­brot und Szoros, und die Geschich­ten, die sie ihm in ihrem Stamm­ca­fé erzäh­len, stel­len Alfreds Leben gründ­lich auf den Kopf.

Michel Berg­mann hat ein fas­zi­nie­ren­des, anrüh­ren­des Buch über die Rück­kehr der Juden nach Deutsch­land geschrie­ben, das mal zum Lachen, mal zum Wei­nen reizt. Er erzählt vom Leben in den DP-Lagern, vom völ­lig zer­stör­ten Frank­furt, vom Schwarz­markt, von der ame­ri­ka­ni­schen Besat­zung, von den Pro­ble­men und Chan­cen in den anar­chi­schen Zustän­den der Nach­kriegs­jah­re, von der hohen Kunst des Ver­kau­fens, vom Über­le­bens­wil­len, der Wut, der Rache, dem Witz und der Lebens­kunst der Über­le­ben­den genau­so wie von den Res­sen­ti­ments und der Ver­drän­gungs­leis­tung der deut­schen Bevöl­ke­rung. Ein wun­der­ba­res Buch, das man so schnell nicht ver­ges­sen wird.

Irm­gard Höl­scher, Frank­furt am Main


Michel Berg­mann erzählt in sei­nem anrüh­ren­den Buch von Men­schen,
die sich in har­ten Zei­ten durch­ge­schla­gen haben und die ver­such­ten,
ihrem ver­lo­re­nen Leben wie­der einen Sinn zu geben. Ein außer­ge­wöhn­li­cher
Roman, dra­ma­tisch, bit­ter und voll lie­bens­wer­tem Humor.”

Sen­ta Ber­ger


Dear Michel,
devou­ring your unputt­down­ab­le book, con­stant­ly mar­ve­ling at your uncan­ny abi­li­ty to hit each and every time le mot jus­te, and of cour­se your wit and humour, but this is what attrac­ted me to you in the first place, so not­hing to mar­vel about here. Am only 30 pages into your mas­ter­work and reco­gni­ze about every cha­rac­ter inclu­ding the thin­ly dis­gui­sed Café Lido. You are just bril­li­ant…

…I can’t remem­ber when I last con­vul­sed with such spon­ta­neous laugh­ter as in the last 24 hours rea­ding some of your descrip­ti­ons and jokes, going through a wad of Kleenex in the pro­cess. Teila­cher has my “Book of the Year” vote. Your com­bo of humour and hor­ror, hor­ror which I, we, all of us absor­bed by osmo­sis and dealt with in our own way and which made me pau­se often in my rea­ding to remind mys­elf that the peop­le you are tal­king are real peop­le, peop­le I met and knew and did not like much becau­se they were old and wrinkled and less edu­ca­ted, or dif­fer­ent­ly edu­ca­ted and spo­ke hea­vy-accen­ted Ger­man, or even Yid­dish, mon dieu, and ree­ked of ciga­ret­tes and pin­ched my cheeks. They were my parent’s com­pa­ny, which snob­by me did not appro­ve of.  All car­ry­ing their own pekls, their bas­ket-case his­to­ries with them which, even when they wan­ted to talk about, I did not care to know but knew their tales their mazes any­way.
Rea­ding your book  I wis­hed I had lis­tened more at the time. You made me miss them and  I was sad when I clo­sed the book. While this gene­ra­ti­on is gone you suc­cee­ded in brin­ging them back.
More than a novel  I read it as a docu­men­ta­ry of a bit­ter peri­od which you infu­sed bril­li­ant­ly with your typi­cal gal­lows humour. Ber­lin Alex­an­der­platz is dreck dage­gen… wish you tons of suc­cess

(Emi­ly Vogl, Grün­de­rin von Trans­pa­r­en­cy Inter­na­tio­nal, Washing­ton D.C. in 2 Emails)


Dein Buch, das mir den Sonn­tag ver­schönt hat, ist eine wun­der­ba­re Lie­bes­er­klä­rung an das Leben und es skiz­ziert eini­ge Men­schen, die ich gern gekannt hät­te. Vie­len Dank, mein alter Freund.

(Tho­mas Kirn, Repor­ter, FAZ, per Email)


Groß­ar­tig. So leicht und doch so tief. Die wun­der­ba­re Balan­ce zwi­schen lus­ti­gen und trau­ri­gen Pas­sa­gen. Sehr pro­fes­sio­nell. Man kann nicht mehr auf­hö­ren. Es macht Lust auf mehr.

(Sig­rid Beren­berg, Rechts­an­wäl­tin, Ham­burg, per Tele­fon)


Michel, ich ver­schlin­ge dei­ne Teila­cher. Das ist von einer unfass­ba­ren Mensch­lich­keit und ganz wun­der­bar geschrie­ben. Es ver­dient jeden Erfolg. Ich umar­me Dich.

(Dr. Rai­ner Berg, Autor, Ham­burg, per SMS)


Ich bin über­wäl­tigt! Phan­tas­tisch! Der Ham­mer! Infor­ma­tiv, wit­zig, trau­rig. Toll! Du hast mich glück­lich gemacht. Ich mache jetzt mit Sei­te 2 wei­ter!

(Mari­an Perl­mut­ter, Psych­ia­ter, Frank­furt am Main, per Tele­fon)


Habe Dein Buch schon zur Hälf­te gele­sen und bin begeis­tert, vie­len mei­ner Freun­de ein Ver­spre­chen abge­run­gen, Dein Buch zu kau­fen!

(Patri­cia Onnen, Gas­tro­no­min, Köln, per Email)


Jetzt bin ich durch und hal­te Dei­ne Teila­cher in mei­nen Hän­den. Beschämt, weil ich nicht einen zitier­ba­ren Satz dazu schrieb und stolz auf Dei­ne vie­len wun­der­ba­ren Sät­ze. Das fei­ern wir. Bis dahin und Glück­wunsch…

(Die­ter Kosslick, Direk­tor Ber­li­na­le, per Brief)


Es ent­wi­ckelt sich so stim­mig, dass man schon den Film dazu vor Augen sehen kann. Auch das Lokal­ko­lo­rit — sowohl das jüdi­sche wie das hes­si­sche sind so schön, dass man laut mit­spricht, um es rich­tig zu hören! Wun­der­bar! Und die Balan­ce zwi­schen Komik und Ernst ist gut und wie du es schaffst, dass man als nicht­jü­di­scher Leser kurz 
vor einem auf­kom­men­den schlech­ten Gewis­sen wie­der ins Lachen gebracht 
wird — spit­ze! Ich wün­sche dir viel Erfolg mit die­sem tol­len Buch! Und 
ich will mehr!!!!!!!!!

(Clau­dia Lars­mey­er, Autorin/Heilpraktikerin, Ham­burg. Per Email)


Ich fin­de dein Buch rasend gut. Habe geheult und gelacht. Groß­ar­tig.

(Mar­len Diek­hoff, Schau­spie­le­rin, Ham­burg. Per Tele­fon)


… es ist ein wun­der­ba­res Buch und hat mich in sei­ner Melo­die an Eva Men­as­se – Vien­na – erin­nert. Ich wer­de es gern emp­feh­len und wün­sche Ihnen ganz viel Erfolg.

(Gud­run Rzep­ka, Buch­han­del, per email an den Ver­lag)


das buch ist aus­ge­le­sen. wann kommt denn das nächs­te????
hab dich total erkannt, mit dei­nen wit­zen und dei­nem humor. ist schon  
komisch einen freund so nah zu spü­ren.

(Mary­lè­ne Mischo, Male­rin, Luxem­burg, per email.)


Ganz wun­der­bar. And so tou­ching. It’s like home­co­m­ing…
(Clau­dia Lands­ber­ger, Ams­ter­dam, Prä­si­den­tin EFP und Hol­land­film, per email)


Ist das ein schö­nes Buch!!!!
Velen Dank dafür.
So wun­der­bar geschrie­ben!, soviel gelacht!!!, und auch geweint habe ich.
Dan­ke, sehr, sehr schön!!
(Katha­ri­na Schütz, Schau­spie­le­rin, Ham­burg, per email)


Nach­dem ich ein­mal ange­fan­gen hat­te, gab es kein Hal­ten mehr. Es ist ein über­zeu­gen­des Buch. Wie die Lesen­den in die Leben der ein­zel­nen Teila­cher her­ein­ge­zo­gen wer­den, groß­ar­tig. Dabei immer der jüdi­sche Humor, der als ein­zi­ges – so scheint es – die­se Geschich­ten erträg­lich macht. Aber auch gera­de dadurch wird das uner­hör­te Leid sicht­bar. Es ist eine jüdi­sche, deut­sche und euro­päi­sche Geschich­te mit Fin­ger­spit­zen­ge­fühl erzählt. Ein ganz beson­de­rer Blick auf die­se Zeit, wie ich ihn so noch nicht gele­sen habe. Die Stel­le an der gesagt wird, dass die jüdi­schen Über­le­ben­den sich einen Dreck um die Deut­schen küm­mern und ihr eige­nes Leben füh­ren. Die Ver­bit­te­rung, Trau­rig­keit und die Tren­nung, die dar­aus spre­chen! Ich hof­fe, dass die­ses Buch vie­le Lese­rIn­nen fin­den wird und wer­de mei­nen Teil ger­ne dazu bei­tra­gen.
(Judith Hering, Buch­händ­le­rin, Darm­stadt, per emai)l


Lie­ber Michel,
seit einer Woche wache ich jeden Mor­gen eine hal­be Stun­de frü­her auf.  Mit Freu­de. Denn da sitzt ein Grüpp­chen älte­rer Her­ren an mei­nem Bett, sie gran­teln und lachen und fah­ren sich über den Mund, sie jid­deln und  bab­beln mein gelieb­tes Frank­forte­risch. Da bist du ja end­lich, sagen sie, wenn ich die Augen auf­ma­che, wir woll­ten schon längst anfan­gen, wir haben nur auf dich gewar­tet. Dan­ke, sag ich und halt den Mund und hör ihnen zu. Sie sind wit­zig, voll zar­ter Melan­cho­lie und so mensch­lich. Die Welt ist ent­setz­lich, schei­nen sie zu sagen, aber wir leben. Wir kön­nen nix dafür. Wenn wir ein­an­der nicht all­zu sehr has­sen, wird´s schon gehen. Viel mehr braucht es nicht. Ich lie­be dei­nen David, dei­nen Max und all die andern und es ist mir ein gro­ßes Ver­gnü­gen, dass du mich an die­sen Geschich­ten teil­ha­ben lässt. (…) Ich grü­ße dich und bedan­ke mich ganz herz­lich für die Teila­cher

(Max Eipp, Autor und Jour­na­list, per email)

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Bin erst in der Mit­te des Buches, aber muss Dich anru­fen. Gran­di­os! Du weißt, wie gut ich die­se Zeit noch ken­ne. Ich war ein Bub damals. Du hast alles wie­der zurück gebracht. Fan­tas­tisch, ich bin hin und weg. So jetzt lese ich wei­ter.
(Joost Sied­hoff, Schau­spie­ler, Ber­lin, per Tele­fon).


Wie kann man als Jude nach 1945 noch in Deutsch­land leben? Davon erzählt mit Witz und Wär­me Michel Berg­mann in sei­nem Roman. Unglaub­lich lie­be­voll und leben­dig. Als wäre man selbst dabei.

(Edzard Onne­ken, Film­re­gis­seur, Ber­lin, per email.)


Ein wun­der­ba­res Buch über ver­wirr­te Lebens­we­ge, ver­lo­re­ne und wie­der­ge­fun­de­ne Hoff­nung, neue Per­spek­ti­ven — wit­zig und gewitzt, tra­gisch and ein­fühl­sam. Eine Erzäh­lung, die unter die Haut geht. Bravo!Kundenrezension bei ama­zon


Hier begeg­net uns auf unkon­ven­tio­nel­ler Wei­se ein The­ma über das es nicht viel Lite­ra­tur gibt. Der Anfang im Deutsch­land des Jah­res ’46 ist schwer. Sie kamen aus Lagern mit­ten hin­ein nach Deutsch­land. Hier wird ein wun­der­schö­ner melan­cho­li­scher Roman in zwei Ebe­nen erzählt.

Kun­den­re­zen­si­on bei ama­zon


Mit­rei­ßend, berüh­rend und bei aller Tra­gik wird die­se Geschich­te mit unglaub­lich viel Humor erzählt.

Mar­le­ne Kunz-Schwei­kert, Buch­händ­le­rin, Stutt­gart


Michel Berg­mann erzählt unge­küns­telt, anrüh­rend, ver­schmitzt und auf sehr mensch­li­che Wei­se und bringt uns so ein Stück Zeit­ge­schich­te näher, das nicht all­ge­mein bekannt sein dürf­te.

Bv, der köl­ner Johan­na Göt­zen­dor­fer


Die Teila­cher

1972 macht sich der jun­ge Alfred Klee­feld auf, den Nach­lass des just ver­stor­be­nen David Ber­mann zu ord­nen. David war der Freund sei­ner Mut­ter, für Alfred lan­ge Jah­re eine Art Vater­er­satz, für den älte­ren Bru­der hin­ge­gen eher ein Riva­le. Die Ord­nung jener irdi­schen Din­ge, die David in sei­nem Zim­mer im jüdi­schen Alters­heim zurück­lässt, bil­det aber nur den Rah­men der Geschich­te: Die eigent­li­che Essenz die­ses Romans sind die Geschich­ten, die Davids Freun­de erzäh­len, die Geschich­ten von David und die gemein­sa­men Erleb­nis­se mit ihm, an die Alfred sich nach und nach immer mehr erin­nert. David Ber­manns Leben war geprägt von Natio­nal­so­zia­lis­mus und Anti­se­mi­tis­mus, was ihn vor dem Zwei­ten Welt­krieg zur Emi­gra­ti­on nach Frank­reich zwang. Trotz­dem wur­den er und sei­ne gesam­te Fami­lie in ein Lager geschickt, David über­leb­te als ein­zi­ger die­se Höl­le und stand nach dem Ende des Zwei­ten Welt­kriegs allei­ne da. Eben die­se Zeit, die letz­ten Jah­re der 1940er Jah­re sind es, die den Haupt­be­stand­teil des Romans bil­den: Davids Freun­de erzäh­len von die­ser unge­ord­ne­ten, kraft­rau­ben­den, anstren­gen­den und zum Teil auch gefähr­li­chen Zeit, in der sie sich als Teila­cher – als jüdi­sche Hand­lungs­rei­sen­de – eine Exis­tenz im Land der Täter, im zer­stör­ten Deutsch­land auf­zu­bau­en ver­such­ten. Sie erzäh­len von ihren Schick­sa­len im Zwei­ten Welt­krieg, von der Welt vor die­ser schreck­li­chen Zeit und vor allen Din­gen von ihren gemein­sa­men Erleb­nis­sen als Teila­cher – und das in bes­ter Tor­berg-Manier: Die Erzäh­lun­gen der alten Män­ner sind gespickt mit jid­di­schen Audrü­cken und gip­feln meist in einer Poin­te, denn Lachen kön­nen und wol­len sie noch immer. Der Roman spannt einen Bogen von der Zeit vor dem Zwei­ten Welt­krieg bis hin in die 1970er Jah­re und schafft es trotz der Tra­gik der indi­vi­du­el­len Erleb­nis­se, den Lebens­mut und die Lebens­lust der betrof­fe­nen Figu­ren deut­lich zu beto­nen. Die erzähl­ten Geschich­ten erin­nern tat­säch­lich stark an die Anek­do­ten­samm­lung eines Fried­rich Tor­berg und las­sen eine schon bei­na­he ver­lo­ren geglaub­te Welt wie­der leben­dig wer­den. Ein sehr emp­feh­lens­wer­ter Roman, der eine bis jetzt eher wenig beach­te­te Zeit­span­ne zum The­ma hat (näm­lich eben die Jah­re kurz nach Kriegs­en­de – aus jüdi­scher Sicht) und sich – gemein­sam mit einer gro­ßen Por­ti­on rup­pi­gen Humors – mit die­ser vir­tu­os aus­ein­an­der­setzt.

geschrie­ben am 17.03.2010 | 348 Wör­ter | 1966 Zei­chen


DER HAMBURGER, Aus­ga­be Früh­ling 2010
Rezen­si­on zu Michel Berg­manns Debüt­ro­man “Die Teila­cher”.
Der Roman “fes­selt den Leser von der ers­ten bis zur letz­ten Sei­te. Dem Autor, selbst Kind jüdi­scher Eltern, gelingt es dabei, dem oft wei­nen­den Auge mit fei­nem Humor stets ein lachen­des ent­ge­gen­zu­stel­len. Und so fühlt man sich, trotz aller Tra­gik, gern erin­nert an ‘die gute alte zeit’. Ein abso­lut gelun­ge­nes Erst­lings­werk.”


Buch­jour­nal, Heft 2/2010
Die Redak­ti­on emp­fiehlt Michel Berg­manns Roman “Die Teila­cher”.
“Der 1945 als Kind jüdi­scher Eltern in einem Inter­nie­rungs­la­ger gebo­re­ne Michel Berg­mann lässt sie ihre aben­teu­er­li­chen Geschich­ten nach Art eines Schel­men­ro­mans erzäh­len, mit vie­len jidi­schen Ein­spren­seln — Stern­schnup­pen des Humors und Über­le­bens­wil­lens über einem Meer aus Trau­er.”
Saar­län­di­scher Rund­funk, 20. März 2010
In der Live-Sen­dung “Bücher­Le­se” spricht Ralph Schock mit Michel Berg­mann über “Die Teila­cher”.


Lite­ra­tur­fo­rum Home­page
Buch­tipp zu Michel Berg­manns Debüt­ro­man “Die Teila­cher”.
“So ist es Michel Berg­mann gelun­gen eine unge­wöhn­li­che trau­ri­ge, zuwei­len bit­te­re Geschich­te zu schrei­ben, die trotz­dem komisch ist und trotz allem eine gewis­se Hei­ter­keit aus­strahlt. Ein ganz tol­les Buch, dem ich vie­le Leser wün­sche!”


Jüdi­sche All­ge­mei­nen Zei­tung, 18. März 2010
Mat­thi­as Rei­chelt rezen­siert Michel Berg­manns Roman “Die Teila­cher”.
“Mit sei­nem Roman­de­büt stößt der Dreh­buch­au­tor Michel Berg­mann die Tür auf zu einer sel­ten beschrie­be­nen Welt der Juden in Frank­furt am Main kurz nach der Befrei­ung vom Natio­nal­so­zia­lis­mus. (…) Berg­mann prä­sen­tiert in dem Roman aben­teu­er­li­che und schel­men­haf­te Geschich­ten vom Über­le­ben in einer Zeit des Miss­trau­ens und der Lügen. Wie sich die Teila­cher ins Leben flüch­ten und den Hor­ror der Ver­gan­gen­heit mit Sar­kas­mus bän­di­gen, ist behut­sam und schön geschil­dert.”


Neu­es Deutsch­land, 18. März 2010
Buch­tipp zu Michel Berg­manns Roman “Die Teila­cher”.
“Ein unge­mein anrüh­ren­der Roman.”


Mit den “Teila­chern” hast du ein Stück Nacht­kriegs­ge­schich­te der Juden in Frank­furt fest­ge­hal­ten — und das auf humor­vol­le, melan­cho­li­sche und auch lite­ra­risch bemer­kens­wer­te Wei­se. Für die­ses Ein­tau­chen, auch in ein Stück eige­ner Ver­gan­gen­heit, dan­ke ich dir. Den “Teila­chern” von denen ich eini­ge wie­der­zu­er­ken­nen glaub­te, hast du damit ein lie­bens­wer­tes Denk­mal gesetzt.
Prof. Salo­mon Korn, Frank­furt, Zen­tral­rat der Juden, per Brief


Gut Ding will Wei­le haben. Im Alter von 65 Jah­ren ver­öf­fent­licht der Jour­na­list und Dreh­buch­au­tor Michel Berg­mann sei­nen ers­ten Roman. Die Geschich­te der Teila­cher ist die Geschich­te jüdi­scher Han­dels­ver­tre­ter in Frank­furt nach dem 2. Welt­krieg. Sie sind zurück­ge­kehrt aus den Lagern, die weni­gen Über­le­ben­den. Jetzt sind sie wie­der unter­wegs, klin­geln an den Haus­tü­ren und müs­sen sich die alten Feind­se­lig­kei­ten anhö­ren.
“Wie so oft seit sei­ner Ankunft in Deutsch­land ging sein Blick von Gesicht zu Gesicht. Aus­drucks­lo­se Augen von domes­ti­zier­ten, zwangs­zi­vi­li­sier­ten Men­schen. Die­sel­ben gebro­che­nen Män­ner sah er plötz­lich in Uni­form, aus­ge­stat­tet mit Macht, mit dem Frei­brief zum Mord.”
Im Rück­blick wer­den ihre Geschich­te und ihr Leben erzählt, als sich eini­ge von ihnen bei der Beer­di­gung von David Ber­mann 1972 wie­der begeg­nen. Dabei ist der jun­ge Alfred Klee­feld, Nef­fe des Ver­stor­be­nen. Alfred hört den Män­nern zu, wie sie von einem trau­ma­ti­sier­ten Leben erzäh­len, von einem Leben, das den­noch wei­ter­ging und wei­ter­geht. Berg­mann erzählt unan­ge­strengt und mit sanf­tem Humor, ohne Zei­ge­fin­ger und mit viel Mit­ge­fühl.
Bern­hard Kel­lers Lis­te der mit­rei­ßens­ten Bücher Leip­zig 2010, Platz 2.


Ich habe Dein Buch sofort nach Erschei­nen gele­sen und enor­mes Ver­gnü­gen dabei emp­fun­den. Vie­le längst ver­ges­se­ne Details sind dabei wie­der ans Licht gekom­men und waren mir völ­lig gegen­wär­tig. Ich emp­feh­le das Buch über­all hin !
Dr. Maria Leu­sch­ner, Frank­furt am Main, per mail


Der Begriff Teila­cher stammt aus dem jid­di­schen und setzt sich zusam­men aus dem Wort “Teil” und dem hebräi­schen “Laa­chod”, Ein­zel­han­del. Gemeint ist damit ein Ver­tre­ter, sozu­sa­gen das kleins­te Teil des Ein­zel­han­dels. “Die Teila­cher”, das ist eine Grup­pe jüdi­scher Män­ner aus ganz Euro­pa, die es nach dem Krieg nach Frank­furt ver­schlägt. Blei­ben wol­len sie im Land der Deut­schen nicht, eigent­lich auch kei­nen Kon­takt zu ihnen auf­neh­men. Aber irgend­wie muss man ja leben und so begin­nen sie Wäsche zu ver­kau­fen. Und obwohl sie eigent­lich immer noch weg wol­len, in die USA oder nach Paläs­ti­na, blei­ben sie, nie rich­tig ange­kom­men, immer ein wenig fremd. Fremd auch von den Deut­schen, in ihrer Umge­bung, die — von weni­gen Aus­nah­men abge­se­hen — nicht bereit sind ihr Leid anzu­er­ken­nen. 
David Ber­mann ist einer die­ser Teila­cher und der Onkel von Alfred, dem Erzäh­ler die­ses wun­der­vol­len Romans. Als David Ber­mann stirbt macht Alfred sich auf die Geschich­te des alten Man­nes zu erzäh­len, der so viel Leid erfah­ren hat, der 21 Ange­hö­ri­ge in Ausch­witz ver­lo­ren und dafür ein paar tau­send Mark Ent­schä­di­gung erhal­ten hat. Der aber nie sei­nen Lebens­mut, sei­ne Freu­de am Ver­kau­fen und an den Frau­en ver­lo­ren hat. Und des­sen Ret­tung der jüdi­sche Humor ist. Davon lebt der Roman. Jüdi­sche Wit­ze und jid­di­sches Idi­om sind sozu­sa­gen das Rück­grat der Men­schen von denen er han­delt und auch das Rück­grat der Geschich­te. So ist es Michel Berg­mann gelun­gen eine unge­wöhn­li­che trau­ri­ge, zuwei­len bit­te­re Geschich­te zu schrei­ben, die trotz­dem komisch ist und trotz allem eine gewis­se Hei­ter­keit aus­strahlt. Ein ganz tol­les Buch, dem ich vie­le Leser wünsche!Clio, Lite­ra­tur­kri­tik, online.


1972: David Ber­mann, der König der Teila­cher, ist tot. Kei­ner der ande­ren jüdi­schen Han­dels­ver­tre­ter war ein so geschick­ter Ver­käu­fer wie er. Nach sei­ner Beer­di­gung tref­fen sich die alten Freun­de und reden über ver­gan­ge­ne Zei­ten – die gol­de­nen Zwan­zi­ger­jah­re, Krieg, Lager oder Flucht, und schließ­lich der schwie­ri­ge Neu­an­fang im Nach­kriegs-Frank­furt, in dem man den frü­he­ren Pei­ni­gern noch auf Schritt und Tritt begeg­ne­te. Tem­po­reich und bewe­gend erzählt Michel Berg­mann in sei­nem ers­ten Roman, wie sich die Teila­cher mit jüdi­schem Witz und Chuz­pe durch­schla­gen und nach einem neu­en Sinn für ihr ver­lo­re­nes Leben suchen.Voriol, buch.ch


Der Dreh­buch­au­tor Michel Berg­mann hat sei­nen ers­ten Roman geschrie­ben. Von jüdi­schen Über­le­ben­den, die nach Krieg und Mas­sen­mord in Deutsch­land blie­ben und sich als Han­dels­ver­tre­ter (Teila­cher) eine Exis­tenz auf­bau­ten. Es wird eine jüdi­sche, deut­sche und euro­päi­sche Geschich­te mit viel Fin­ger­spit­zen­ge­fühl erzählt. Ein ganz beson­de­rer Blick auf die­se Zeit, über die man so noch nie gele­sen hat.

Jüdi­sche Gemein­de, Ber­lin April 2010


Unse­re Kun­den waren alle rest­los begeis­tert. Auch ich bin trotz vor­he­ri­ger Lek­tü­re wie­der und wahr­schein­lich noch tie­fer berührt, wie Sie es schaf­fen, eine doch so trau­ma­ti­sche Erfah­rung und Fami­li­en­ge­schich­te in auch humor­vol­ler Wei­se zu beschrei­ben. Im Nach­hin­ein ist aber auch die­ser trau­ri­ge Nach­ge­schmack, der mir die Trä­nen in die Augen treibt, wenn ich an Max den­ke, der sei­ne Frau und sein Kind nicht beschüt­zen kann. Es sind immer wie­der die­se ein­zel­nen Bege­ben­hei­ten, die mich fas­sungs­los machen über die Bru­ta­li­tät mei­ner deut­schen Ver­gan­gen­heit. Umso fro­her und dank­ba­rer bin ich über Men­schen-Auto­ren wie Sie, die wie­der mit uns leben und dar­über schrei­ben.

Susan­ne Weiß-Mar­gis, Buch­händ­le­rin, Brief aus Köln nach einer Lesung

www.kirche-im-swr.de

SWR2 Wort zum Tag
Sen­de­text von Diens­tag, 06. Dezem­ber 2011

Autor: Dr. Diet­mar Bader, Frei­burg, Katho­li­sche Kir­che

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Glau­ben Sie an Gott?
„Glau­ben Sie eigent­lich an Gott, Herr Ber­mann?, frag­te sie mich ein­mal am Anfang. Ich war zuerst ver­blüfft, dann sag­te ich: Wenn ich ehr­lich sein soll, eigent­lich nicht. Und was machen Sie dann hier in der Syn­ago­ge? Er glaubt an mich, sag­te ich, und ich will ihn nicht ent­täu­schen. Ich glau­be, das hat ihr gefal­len.” (S. 51)
Auf die­ses Zwie­ge­spräch stieß ich im Roman „Die Teila­cher” von Michel Berg­mann. Ein nach außen nicht ein­deu­tig als fromm zu iden­ti­fi­zie­ren­der Jude wird von einer Dame, an der ihm liegt, gefragt, ob er eigent­lich an Gott glaubt. Nach einer ers­ten Ver­blüf­fung ent­schei­det er sich für eine ehr­li­che Ant­wort und ver­neint: er glaubt nicht an Gott. Aber das Gespräch fin­det ja in der Syn­ago­ge statt, daher ist die nächs­te Fra­ge vor­pro­gram­miert: „Und was machen Sie dann hier in der Syn­ago­ge?” Und der Jude, der „eigent­lich” nicht an Gott glaubt, for­mu­liert das, was die Mit­te des jüdi­schen und christ­li­chen Glau­bens aus­macht: „Gott glaubt an mich.” Und mit tief­sin­ni­gem Humor, der an man­che der von Buber gesam­mel­ten „Geschich­ten der Chas­si­dim” erin­nert, fügt er hin­zu: „Er glaubt an mich, und ich will ihn nicht ent­täu­schen”. Gott glaubt an mich — das ist das Ers­te und Bewe­gen­de für Chris­ten und für Juden. Und genau das spricht der Mann aus, der in der Syn­ago­ge weilt, obwohl er nicht an Gott glaubt. Sei­ne Ant­wort ist in einer ver­bor­ge­nen Tie­fe posi­ti­ver als das ein­fa­che Ja auf die Fra­ge: „Glau­ben Sie eigent­lich an Gott?” Die­ses Ja — „Ich glau­be an Gott!” kann tat­säch­lich zu der Mei­nung ver­lei­ten, dass der Glau­be bei uns beginnt; und es kann ver­ges­sen las­sen, dass zuerst Gott an uns glaubt. Er bringt dem von ihm geschaf­fe­nen Men­schen sein Ver­trau­en ent­ge­gen. Damit beginnt alles. Das ist das Ers­te und ganz und gar Uner­hör­te. Dar­an zu glau­ben ist grund­le­gend und eben­falls uner­hört. Im Roman von Berg­mann besucht ein Mann die Syn­ago­ge und erklärt das als einen Akt der Höf­lich­keit gegen­über Gott, der an ihn glaubt. Damit zeigt er einen Glau­ben, der nicht tie­fer und wah­rer sein könn­te. Unter den bibli­schen Schrif­ten spricht vor allem das Buch der Weis­heit von die­ser zuvor­kom­men­den Lie­be Got­tes. Es nennt die­se Lie­be ‚Weis­heit’. Die Weis­heit geht von sich aus auf die Men­schen zu, so dass: „Wer sie sucht, kei­ne Mühe braucht.” Der Mensch fin­det die Weis­heit vor sei­ner Tür sit­zen. Sie geht selbst umher, um die zu suchen, die ihrer wür­dig sind; freund­lich erscheint sie ihnen auf allen Wegen und kommt jenen ent­ge­gen, die an sie den­ken.” (Weish 6,14.16)

Die
Teila­cher – Michel Berg­mann

06. Febru­ar 2012
Die­ses Buch habe ich von einer sehr lie­ben Freun­din emp­foh­len bekom­men. Die
Teila­cher (eine Bezeich­nung aus dem Jid­di­schen für die jüdi­schen
Haustür­ver­tre­ter) beschreibt eine Grup­pe die­ser Händ­ler in Frank­furt nach Ende
des Krie­ges. Wir haben es (auf­grund der Nähe zu Frank­furt) sowie­so schon ganz
gut ver­kauft und wie es dann so ist – man will die­ses Buch ger­ne lesen, was so
läuft wie geschnit­ten Brot, es ist aber nicht die rech­te Zeit dazu. Nun end­lich
habe ich es gele­sen und frag­te mich: War­um nicht schon frü­her? So ein
fei­nes
Buch!

Ich weiß gar nicht wo ich anfan­gen soll: der Mut die­ser Män­ner,
zurück­zu­kom­men, neu anzu­fan­gen? Die jid­di­schen Begrif­fe, eine Spra­che die mir
auf unbe­kann­te Wei­se nahe geht? Die Chuz­pe, mit der geschil­dert wird, wie sich
die Teila­cher durch­schla­gen? Das Erken­nen von Stra­ßen, Plät­zen, Häu­sern
inner­halb Frank­furts? Die wirk­lich span­nen­de und bewe­gen­de Geschich­te, in der
sowohl Leid als auch der jüdi­sche Humor immer wie­der durch­blit­zen? Der
prag­ma­ti­sche und doch so für sich ein­neh­men­de Stil? Es ist ein beein­dru­cken­des
Buch und ich freue mich schon auf “Mach­loi­kes“!