„Nachdem ich einmal angefangen hatte, gab es kein Halten mehr".

Presse / Kommentare

Die Teilacher von Michel Bergmann

Tipp von Sarah Reul, 5.3.2012

 

Die Teilacher

Die­ses Buch habe ich von einer sehr lie­ben Freun­din emp­foh­len bekom­men. Die Tei­la­cher (eine Bezeich­nung aus dem Jid­di­schen für die jüdi­schen Haustür­ver­tre­ter) beschreibt eine Gruppe die­ser Händ­ler in Frank­furt nach Ende des Krie­ges. Wir haben es (auf­grund der Nähe zu Frank­furt) sowieso schon ganz gut ver­kauft und wie es dann so ist – man will die­ses Buch gerne lesen, was so läuft wie geschnit­ten Brot, es ist aber nicht die rechte Zeit dazu. Nun end­lich habe ich es gele­sen und fragte mich: Warum nicht schon frü­her? So ein fei­nes Buch!

Ich weiß gar nicht wo ich anfan­gen soll: der Mut die­ser Män­ner, zurück­zu­kom­men, neu anzu­fan­gen? Die jid­di­schen Begriffe, eine Spra­che die mir auf unbe­kannte Weise nahe geht? Die Chuzpe, mit der geschil­dert wird, wie sich die Tei­la­cher durch­schla­gen? Das Erken­nen von Stra­ßen, Plät­zen, Häu­sern inner­halb Frank­furts? Die wirk­lich span­nende und bewe­gende Geschichte, in der sowohl Leid als auch der jüdi­sche Humor immer wie­der durch­blit­zen? Der prag­ma­ti­sche und doch so für sich ein­neh­mende Stil? Es ist ein beein­dru­cken­des Buch und ich freue mich schon auf den “zwei­ten Teil” -“Machloikes“!

Was ist ein Teilacher?

Ein Teilacher ist „das kleinste spaltbare Teilchen, das Atom der Kaufmannswelt“, mit  anderen Worten: ein Handlungsreisender. „Aber was den Teilacher vom herkömmlichen Handlungsreisenden unterscheidet: Der Teilacher ist Jude. Oder er gibt sich als solcher aus.“ David Berman ist Jude und muss sich nicht als solcher ausgeben, vor allem aber ist er der unbestrittene „Einstein unter den Teilachern“, ein Lebemann und Lebenskünstler, vor allem aber ein genialer Verkäufer, der seiner Arbeit noch aus dem Altersheim heraus nachgeht, Parkinson hin und Lungenkrebs her.

Nach Davids Tod steht der junge Alfred vor der unangenehmen Aufgabe, das Zimmer seines Nennonkels auszuräumen. All die Fotos, Schallplatten, Bücher, Bilder wecken Erinnerungen, aus denen nach und nach David Bermans Leben ersteht: Geboren in Galizien, mit den Eltern nach Frankfurt gezogen, Mitarbeit im elterlichen Wäschegeschäft, das seine Brüder und er zu einem erfolgreichen Unternehmen machen, Ausstieg aus dem geregelten Leben des Geschäftsmanns zugunsten der freieren Existenz des Teilachers, Affären Liebesgeschichten, Flucht nach Frankreich, Fremdenlegion und schließlich Rückkehr ins zerstörte Deutschland. Aber warum ist er nach dem Krieg und dem Holocaust ausgerechnet nach Deutschland zurückgekehrt? Diese Frage können Alfred die Freunde seines Onkels beantworten, Verständig, Fajnbrot und Szoros, und die Geschichten, die sie ihm in ihrem Stammcafé erzählen, stellen Alfreds Leben gründlich auf den Kopf.

Michel Bergmann hat ein faszinierendes, anrührendes Buch über die Rückkehr der Juden nach Deutschland geschrieben, das mal zum Lachen, mal zum Weinen reizt. Er erzählt vom Leben in den DP-Lagern, vom völlig zerstörten Frankfurt, vom Schwarzmarkt, von der amerikanischen Besatzung, von den Problemen und Chancen in den anarchischen Zuständen der Nachkriegsjahre, von der hohen Kunst des Verkaufens, vom Überlebenswillen, der Wut, der Rache, dem Witz und der Lebenskunst der Überlebenden genauso wie von den Ressentiments und der Verdrängungsleistung der deutschen Bevölkerung. Ein wunderbares Buch, das man so schnell nicht vergessen wird.

Irmgard Hölscher, Frankfurt am Main


“Michel Bergmann erzählt in seinem anrührenden Buch von Menschen,
die sich in harten Zeiten durchgeschlagen haben und die versuchten,
ihrem verlorenen Leben wieder einen Sinn zu geben. Ein außergewöhnlicher
Roman, dramatisch, bitter und voll liebenswertem Humor.”

Senta Berger


Dear Michel,
devouring your unputtdownable book, constantly marveling at your uncanny ability to hit each and every time le mot juste, and of course your wit and humour, but this is what attracted me to you in the first place, so nothing to marvel about here. Am only 30 pages into your masterwork and recognize about every character including the thinly disguised Café Lido. You are just brilliant…

…I can’t remember when I last convulsed with such spontaneous laughter as in the last 24 hours reading some of your descriptions and jokes, going through a wad of Kleenex in the process. Teilacher has my „Book of the Year“ vote. Your combo of humour and horror, horror which I, we, all of us absorbed by osmosis and dealt with in our own way and which made me pause often in my reading to remind myself that the people you are talking are real people, people I met and knew and did not like much because they were old and wrinkled and less educated, or differently educated and spoke heavy-accented German, or even Yiddish, mon dieu, and reeked of cigarettes and pinched my cheeks. They were my parent’s company, which snobby me did not approve of.  All carrying their own pekls, their basket-case histories with them which, even when they wanted to talk about, I did not care to know but knew their tales their mazes anyway.
Reading your book  I wished I had listened more at the time. You made me miss them and  I was sad when I closed the book. While this generation is gone you succeeded in bringing them back.
More than a novel  I read it as a documentary of a bitter period which you infused brilliantly with your typical gallows humour. Berlin Alexanderplatz is dreck dagegen… wish you tons of success

(Emily Vogl, Gründerin von Transparency International, Washington D.C. in 2 Emails)


Dein Buch, das mir den Sonntag verschönt hat, ist eine wunderbare Liebeserklärung an das Leben und es skizziert einige Menschen, die ich gern gekannt hätte. Vielen Dank, mein alter Freund.

(Thomas Kirn, Reporter, FAZ, per Email)


Großartig. So leicht und doch so tief. Die wunderbare Balance zwischen lustigen und traurigen Passagen. Sehr professionell. Man kann nicht mehr aufhören. Es macht Lust auf mehr.

(Sigrid Berenberg, Rechtsanwältin, Hamburg, per Telefon)


Michel, ich verschlinge deine Teilacher. Das ist von einer unfassbaren Menschlichkeit und ganz wunderbar geschrieben. Es verdient jeden Erfolg. Ich umarme Dich.

(Dr. Rainer Berg, Autor, Hamburg, per SMS)


Ich bin überwältigt! Phantastisch! Der Hammer! Informativ, witzig, traurig. Toll! Du hast mich glücklich gemacht. Ich mache jetzt mit Seite 2 weiter!

(Marian Perlmutter, Psychiater, Frankfurt am Main, per Telefon)


Habe Dein Buch schon zur Hälfte gelesen und bin begeistert, vielen meiner Freunde ein Versprechen abgerungen, Dein Buch zu kaufen!

(Patricia Onnen, Gastronomin, Köln, per Email)


Jetzt bin ich durch und halte Deine Teilacher in meinen Händen. Beschämt, weil ich nicht einen zitierbaren Satz dazu schrieb und stolz auf Deine vielen wunderbaren Sätze. Das feiern wir. Bis dahin und Glückwunsch…

(Dieter Kosslick, Direktor Berlinale, per Brief)


Es entwickelt sich so stimmig, dass man schon den Film dazu vor Augen sehen kann. Auch das Lokalkolorit – sowohl das jüdische wie das hessische sind so schön, dass man laut mitspricht, um es richtig zu hören! Wunderbar! Und die Balance zwischen Komik und Ernst ist gut und wie du es schaffst, dass man als nichtjüdischer Leser kurz 
vor einem aufkommenden schlechten Gewissen wieder ins Lachen gebracht 
wird – spitze! Ich wünsche dir viel Erfolg mit diesem tollen Buch! Und 
ich will mehr!!!!!!!!!

(Claudia Larsmeyer, Autorin/Heilpraktikerin, Hamburg. Per Email)


Ich finde dein Buch rasend gut. Habe geheult und gelacht. Großartig.

(Marlen Diekhoff, Schauspielerin, Hamburg. Per Telefon)


… es ist ein wunderbares Buch und hat mich in seiner Melodie an Eva Menasse – Vienna – erinnert. Ich werde es gern empfehlen und wünsche Ihnen ganz viel Erfolg.

(Gudrun Rzepka, Buchhandel, per email an den Verlag)


das buch ist ausgelesen. wann kommt denn das nächste????
hab dich total erkannt, mit deinen witzen und deinem humor. ist schon  
komisch einen freund so nah zu spüren.

(Marylène Mischo, Malerin, Luxemburg, per email.)


Ganz wunderbar. And so touching. It’s like homecoming…
(Claudia Landsberger, Amsterdam, Präsidentin EFP und Hollandfilm, per email)


Ist das ein schönes Buch!!!!
Velen Dank dafür.
So wunderbar geschrieben!, soviel gelacht!!!, und auch geweint habe ich.
Danke, sehr, sehr schön!!
(Katharina Schütz, Schauspielerin, Hamburg, per email)


Nachdem ich einmal angefangen hatte, gab es kein Halten mehr. Es ist ein überzeugendes Buch. Wie die Lesenden in die Leben der einzelnen Teilacher hereingezogen werden, großartig. Dabei immer der jüdische Humor, der als einziges – so scheint es – diese Geschichten erträglich macht. Aber auch gerade dadurch wird das unerhörte Leid sichtbar. Es ist eine jüdische, deutsche und europäische Geschichte mit Fingerspitzengefühl erzählt. Ein ganz besonderer Blick auf diese Zeit, wie ich ihn so noch nicht gelesen habe. Die Stelle an der gesagt wird, dass die jüdischen Überlebenden sich einen Dreck um die Deutschen kümmern und ihr eigenes Leben führen. Die Verbitterung, Traurigkeit und die Trennung, die daraus sprechen! Ich hoffe, dass dieses Buch viele LeserInnen finden wird und werde meinen Teil gerne dazu beitragen.
(Judith Hering, Buchhändlerin, Darmstadt, per emai)l


Lieber Michel,
seit einer Woche wache ich jeden Morgen eine halbe Stunde früher auf.  Mit Freude. Denn da sitzt ein Grüppchen älterer Herren an meinem Bett, sie granteln und lachen und fahren sich über den Mund, sie jiddeln und  babbeln mein geliebtes Frankforterisch. Da bist du ja endlich, sagen sie, wenn ich die Augen aufmache, wir wollten schon längst anfangen, wir haben nur auf dich gewartet. Danke, sag ich und halt den Mund und hör ihnen zu. Sie sind witzig, voll zarter Melancholie und so menschlich. Die Welt ist entsetzlich, scheinen sie zu sagen, aber wir leben. Wir können nix dafür. Wenn wir einander nicht allzu sehr hassen, wird´s schon gehen. Viel mehr braucht es nicht. Ich liebe deinen David, deinen Max und all die andern und es ist mir ein großes Vergnügen, dass du mich an diesen Geschichten teilhaben lässt. (…) Ich grüße dich und bedanke mich ganz herzlich für die Teilacher

(Max Eipp, Autor und Journalist, per email)

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Bin erst in der Mitte des Buches, aber muss Dich anrufen. Grandios! Du weißt, wie gut ich diese Zeit noch kenne. Ich war ein Bub damals. Du hast alles wieder zurück gebracht. Fantastisch, ich bin hin und weg. So jetzt lese ich weiter.
(Joost Siedhoff, Schauspieler, Berlin, per Telefon).


Wie kann man als Jude nach 1945 noch in Deutschland leben? Davon erzählt mit Witz und Wärme Michel Bergmann in seinem Roman. Unglaublich liebevoll und lebendig. Als wäre man selbst dabei.

(Edzard Onneken, Filmregisseur, Berlin, per email.)


Ein wunderbares Buch über verwirrte Lebenswege, verlorene und wiedergefundene Hoffnung, neue Perspektiven – witzig und gewitzt, tragisch and einfühlsam. Eine Erzählung, die unter die Haut geht. Bravo!Kundenrezension bei amazon


Hier begegnet uns auf unkonventioneller Weise ein Thema über das es nicht viel Literatur gibt. Der Anfang im Deutschland des Jahres ’46 ist schwer. Sie kamen aus Lagern mitten hinein nach Deutschland. Hier wird ein wunderschöner melancholischer Roman in zwei Ebenen erzählt.

Kundenrezension bei amazon


Mitreißend, berührend und bei aller Tragik wird diese Geschichte mit unglaublich viel Humor erzählt.

Marlene Kunz-Schweikert, Buchhändlerin, Stuttgart


Michel Bergmann erzählt ungekünstelt, anrührend, verschmitzt und auf sehr menschliche Weise und bringt uns so ein Stück Zeitgeschichte näher, das nicht allgemein bekannt sein dürfte.

Bv, der kölner Johanna Götzendorfer


Die Teilacher

1972 macht sich der junge Alfred Kleefeld auf, den Nachlass des just verstorbenen David Bermann zu ordnen. David war der Freund seiner Mutter, für Alfred lange Jahre eine Art Vaterersatz, für den älteren Bruder hingegen eher ein Rivale. Die Ordnung jener irdischen Dinge, die David in seinem Zimmer im jüdischen Altersheim zurücklässt, bildet aber nur den Rahmen der Geschichte: Die eigentliche Essenz dieses Romans sind die Geschichten, die Davids Freunde erzählen, die Geschichten von David und die gemeinsamen Erlebnisse mit ihm, an die Alfred sich nach und nach immer mehr erinnert. David Bermanns Leben war geprägt von Nationalsozialismus und Antisemitismus, was ihn vor dem Zweiten Weltkrieg zur Emigration nach Frankreich zwang. Trotzdem wurden er und seine gesamte Familie in ein Lager geschickt, David überlebte als einziger diese Hölle und stand nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs alleine da. Eben diese Zeit, die letzten Jahre der 1940er Jahre sind es, die den Hauptbestandteil des Romans bilden: Davids Freunde erzählen von dieser ungeordneten, kraftraubenden, anstrengenden und zum Teil auch gefährlichen Zeit, in der sie sich als Teilacher – als jüdische Handlungsreisende – eine Existenz im Land der Täter, im zerstörten Deutschland aufzubauen versuchten. Sie erzählen von ihren Schicksalen im Zweiten Weltkrieg, von der Welt vor dieser schrecklichen Zeit und vor allen Dingen von ihren gemeinsamen Erlebnissen als Teilacher – und das in bester Torberg-Manier: Die Erzählungen der alten Männer sind gespickt mit jiddischen Audrücken und gipfeln meist in einer Pointe, denn Lachen können und wollen sie noch immer. Der Roman spannt einen Bogen von der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg bis hin in die 1970er Jahre und schafft es trotz der Tragik der individuellen Erlebnisse, den Lebensmut und die Lebenslust der betroffenen Figuren deutlich zu betonen. Die erzählten Geschichten erinnern tatsächlich stark an die Anekdotensammlung eines Friedrich Torberg und lassen eine schon beinahe verloren geglaubte Welt wieder lebendig werden. Ein sehr empfehlenswerter Roman, der eine bis jetzt eher wenig beachtete Zeitspanne zum Thema hat (nämlich eben die Jahre kurz nach Kriegsende – aus jüdischer Sicht) und sich – gemeinsam mit einer großen Portion ruppigen Humors – mit dieser virtuos auseinandersetzt.

geschrieben am 17.03.2010 | 348 Wörter | 1966 Zeichen


DER HAMBURGER, Ausgabe Frühling 2010
Rezension zu Michel Bergmanns Debütroman „Die Teilacher“.
Der Roman „fesselt den Leser von der ersten bis zur letzten Seite. Dem Autor, selbst Kind jüdischer Eltern, gelingt es dabei, dem oft weinenden Auge mit feinem Humor stets ein lachendes entgegenzustellen. Und so fühlt man sich, trotz aller Tragik, gern erinnert an ‚die gute alte zeit‘. Ein absolut gelungenes Erstlingswerk.“


Buchjournal, Heft 2/2010
Die Redaktion empfiehlt Michel Bergmanns Roman „Die Teilacher“.
„Der 1945 als Kind jüdischer Eltern in einem Internierungslager geborene Michel Bergmann lässt sie ihre abenteuerlichen Geschichten nach Art eines Schelmenromans erzählen, mit vielen jidischen Einsprenseln – Sternschnuppen des Humors und Überlebenswillens über einem Meer aus Trauer.“
Saarländischer Rundfunk, 20. März 2010
In der Live-Sendung „BücherLese“ spricht Ralph Schock mit Michel Bergmann über „Die Teilacher“.


Literaturforum Homepage
Buchtipp zu Michel Bergmanns Debütroman „Die Teilacher“.
„So ist es Michel Bergmann gelungen eine ungewöhnliche traurige, zuweilen bittere Geschichte zu schreiben, die trotzdem komisch ist und trotz allem eine gewisse Heiterkeit ausstrahlt. Ein ganz tolles Buch, dem ich viele Leser wünsche!“


Jüdische Allgemeinen Zeitung, 18. März 2010
Matthias Reichelt rezensiert Michel Bergmanns Roman „Die Teilacher“.
„Mit seinem Romandebüt stößt der Drehbuchautor Michel Bergmann die Tür auf zu einer selten beschriebenen Welt der Juden in Frankfurt am Main kurz nach der Befreiung vom Nationalsozialismus. (…) Bergmann präsentiert in dem Roman abenteuerliche und schelmenhafte Geschichten vom Überleben in einer Zeit des Misstrauens und der Lügen. Wie sich die Teilacher ins Leben flüchten und den Horror der Vergangenheit mit Sarkasmus bändigen, ist behutsam und schön geschildert.“


Neues Deutschland, 18. März 2010
Buchtipp zu Michel Bergmanns Roman „Die Teilacher“.
„Ein ungemein anrührender Roman.“


Mit den „Teilachern“ hast du ein Stück Nachtkriegsgeschichte der Juden in Frankfurt festgehalten – und das auf humorvolle, melancholische und auch literarisch bemerkenswerte Weise. Für dieses Eintauchen, auch in ein Stück eigener Vergangenheit, danke ich dir. Den „Teilachern“ von denen ich einige wiederzuerkennen glaubte, hast du damit ein liebenswertes Denkmal gesetzt.
Prof. Salomon Korn, Frankfurt, Zentralrat der Juden, per Brief


Gut Ding will Weile haben. Im Alter von 65 Jahren veröffentlicht der Journalist und Drehbuchautor Michel Bergmann seinen ersten Roman. Die Geschichte der Teilacher ist die Geschichte jüdischer Handelsvertreter in Frankfurt nach dem 2. Weltkrieg. Sie sind zurückgekehrt aus den Lagern, die wenigen Überlebenden. Jetzt sind sie wieder unterwegs, klingeln an den Haustüren und müssen sich die alten Feindseligkeiten anhören.
„Wie so oft seit seiner Ankunft in Deutschland ging sein Blick von Gesicht zu Gesicht. Ausdruckslose Augen von domestizierten, zwangszivilisierten Menschen. Dieselben gebrochenen Männer sah er plötzlich in Uniform, ausgestattet mit Macht, mit dem Freibrief zum Mord.“
Im Rückblick werden ihre Geschichte und ihr Leben erzählt, als sich einige von ihnen bei der Beerdigung von David Bermann 1972 wieder begegnen. Dabei ist der junge Alfred Kleefeld, Neffe des Verstorbenen. Alfred hört den Männern zu, wie sie von einem traumatisierten Leben erzählen, von einem Leben, das dennoch weiterging und weitergeht. Bergmann erzählt unangestrengt und mit sanftem Humor, ohne Zeigefinger und mit viel Mitgefühl.
Bernhard Kellers Liste der mitreißensten Bücher Leipzig 2010, Platz 2.


Ich habe Dein Buch sofort nach Erscheinen gelesen und enormes Vergnügen dabei empfunden. Viele längst vergessene Details sind dabei wieder ans Licht gekommen und waren mir völlig gegenwärtig. Ich empfehle das Buch überall hin !
Dr. Maria Leuschner, Frankfurt am Main, per mail


Der Begriff Teilacher stammt aus dem jiddischen und setzt sich zusammen aus dem Wort „Teil“ und dem hebräischen „Laachod“, Einzelhandel. Gemeint ist damit ein Vertreter, sozusagen das kleinste Teil des Einzelhandels. „Die Teilacher“, das ist eine Gruppe jüdischer Männer aus ganz Europa, die es nach dem Krieg nach Frankfurt verschlägt. Bleiben wollen sie im Land der Deutschen nicht, eigentlich auch keinen Kontakt zu ihnen aufnehmen. Aber irgendwie muss man ja leben und so beginnen sie Wäsche zu verkaufen. Und obwohl sie eigentlich immer noch weg wollen, in die USA oder nach Palästina, bleiben sie, nie richtig angekommen, immer ein wenig fremd. Fremd auch von den Deutschen, in ihrer Umgebung, die – von wenigen Ausnahmen abgesehen – nicht bereit sind ihr Leid anzuerkennen. 
David Bermann ist einer dieser Teilacher und der Onkel von Alfred, dem Erzähler dieses wundervollen Romans. Als David Bermann stirbt macht Alfred sich auf die Geschichte des alten Mannes zu erzählen, der so viel Leid erfahren hat, der 21 Angehörige in Auschwitz verloren und dafür ein paar tausend Mark Entschädigung erhalten hat. Der aber nie seinen Lebensmut, seine Freude am Verkaufen und an den Frauen verloren hat. Und dessen Rettung der jüdische Humor ist. Davon lebt der Roman. Jüdische Witze und jiddisches Idiom sind sozusagen das Rückgrat der Menschen von denen er handelt und auch das Rückgrat der Geschichte. So ist es Michel Bergmann gelungen eine ungewöhnliche traurige, zuweilen bittere Geschichte zu schreiben, die trotzdem komisch ist und trotz allem eine gewisse Heiterkeit ausstrahlt. Ein ganz tolles Buch, dem ich viele Leser wünsche!Clio, Literaturkritik, online.


1972: David Bermann, der König der Teilacher, ist tot. Keiner der anderen jüdischen Handelsvertreter war ein so geschickter Verkäufer wie er. Nach seiner Beerdigung treffen sich die alten Freunde und reden über vergangene Zeiten – die goldenen Zwanzigerjahre, Krieg, Lager oder Flucht, und schließlich der schwierige Neuanfang im Nachkriegs-Frankfurt, in dem man den früheren Peinigern noch auf Schritt und Tritt begegnete. Temporeich und bewegend erzählt Michel Bergmann in seinem ersten Roman, wie sich die Teilacher mit jüdischem Witz und Chuzpe durchschlagen und nach einem neuen Sinn für ihr verlorenes Leben suchen.Voriol, buch.ch


Der Drehbuchautor Michel Bergmann hat seinen ersten Roman geschrieben. Von jüdischen Überlebenden, die nach Krieg und Massenmord in Deutschland blieben und sich als Handelsvertreter (Teilacher) eine Existenz aufbauten. Es wird eine jüdische, deutsche und europäische Geschichte mit viel Fingerspitzengefühl erzählt. Ein ganz besonderer Blick auf diese Zeit, über die man so noch nie gelesen hat.

Jüdische Gemeinde, Berlin April 2010


Unsere Kunden waren alle restlos begeistert. Auch ich bin trotz vorheriger Lektüre wieder und wahrscheinlich noch tiefer berührt, wie Sie es schaffen, eine doch so traumatische Erfahrung und Familiengeschichte in auch humorvoller Weise zu beschreiben. Im Nachhinein ist aber auch dieser traurige Nachgeschmack, der mir die Tränen in die Augen treibt, wenn ich an Max denke, der seine Frau und sein Kind nicht beschützen kann. Es sind immer wieder diese einzelnen Begebenheiten, die mich fassungslos machen über die Brutalität meiner deutschen Vergangenheit. Umso froher und dankbarer bin ich über Menschen-Autoren wie Sie, die wieder mit uns leben und darüber schreiben.

Susanne Weiß-Margis, Buchhändlerin, Brief aus Köln nach einer Lesung

www.kirche-im-swr.de

SWR2 Wort zum Tag
Sendetext von Dienstag, 06. Dezember 2011

Autor: Dr. Dietmar Bader, Freiburg, Katholische Kirche

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Glauben Sie an Gott?
„Glauben Sie eigentlich an Gott, Herr Bermann?, fragte sie mich einmal am Anfang. Ich war zuerst verblüfft, dann sagte ich: Wenn ich ehrlich sein soll, eigentlich nicht. Und was machen Sie dann hier in der Synagoge? Er glaubt an mich, sagte ich, und ich will ihn nicht enttäuschen. Ich glaube, das hat ihr gefallen.“ (S. 51)
Auf dieses Zwiegespräch stieß ich im Roman „Die Teilacher“ von Michel Bergmann. Ein nach außen nicht eindeutig als fromm zu identifizierender Jude wird von einer Dame, an der ihm liegt, gefragt, ob er eigentlich an Gott glaubt. Nach einer ersten Verblüffung entscheidet er sich für eine ehrliche Antwort und verneint: er glaubt nicht an Gott. Aber das Gespräch findet ja in der Synagoge statt, daher ist die nächste Frage vorprogrammiert: „Und was machen Sie dann hier in der Synagoge?“ Und der Jude, der „eigentlich“ nicht an Gott glaubt, formuliert das, was die Mitte des jüdischen und christlichen Glaubens ausmacht: „Gott glaubt an mich.“ Und mit tiefsinnigem Humor, der an manche der von Buber gesammelten „Geschichten der Chassidim“ erinnert, fügt er hinzu: „Er glaubt an mich, und ich will ihn nicht enttäuschen“. Gott glaubt an mich – das ist das Erste und Bewegende für Christen und für Juden. Und genau das spricht der Mann aus, der in der Synagoge weilt, obwohl er nicht an Gott glaubt. Seine Antwort ist in einer verborgenen Tiefe positiver als das einfache Ja auf die Frage: „Glauben Sie eigentlich an Gott?“ Dieses Ja – „Ich glaube an Gott!“ kann tatsächlich zu der Meinung verleiten, dass der Glaube bei uns beginnt; und es kann vergessen lassen, dass zuerst Gott an uns glaubt. Er bringt dem von ihm geschaffenen Menschen sein Vertrauen entgegen. Damit beginnt alles. Das ist das Erste und ganz und gar Unerhörte. Daran zu glauben ist grundlegend und ebenfalls unerhört. Im Roman von Bergmann besucht ein Mann die Synagoge und erklärt das als einen Akt der Höflichkeit gegenüber Gott, der an ihn glaubt. Damit zeigt er einen Glauben, der nicht tiefer und wahrer sein könnte. Unter den biblischen Schriften spricht vor allem das Buch der Weisheit von dieser zuvorkommenden Liebe Gottes. Es nennt diese Liebe ‚Weisheit‘. Die Weisheit geht von sich aus auf die Menschen zu, so dass: „Wer sie sucht, keine Mühe braucht.“ Der Mensch findet die Weisheit vor seiner Tür sitzen. Sie geht selbst umher, um die zu suchen, die ihrer würdig sind; freundlich erscheint sie ihnen auf allen Wegen und kommt jenen entgegen, die an sie denken.“ (Weish 6,14.16)

Die
Teilacher – Michel Bergmann

06. Februar 2012
Dieses Buch habe ich von einer sehr lieben Freundin empfohlen bekommen. Die
Teilacher (eine Bezeichnung aus dem Jiddischen für die jüdischen
Haustürvertreter) beschreibt eine Gruppe dieser Händler in Frankfurt nach Ende
des Krieges. Wir haben es (aufgrund der Nähe zu Frankfurt) sowieso schon ganz
gut verkauft und wie es dann so ist – man will dieses Buch gerne lesen, was so
läuft wie geschnitten Brot, es ist aber nicht die rechte Zeit dazu. Nun endlich
habe ich es gelesen und fragte mich: Warum nicht schon früher? So ein
feines
Buch!

Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll: der Mut dieser Männer,
zurückzukommen, neu anzufangen? Die jiddischen Begriffe, eine Sprache die mir
auf unbekannte Weise nahe geht? Die Chuzpe, mit der geschildert wird, wie sich
die Teilacher durchschlagen? Das Erkennen von Straßen, Plätzen, Häusern
innerhalb Frankfurts? Die wirklich spannende und bewegende Geschichte, in der
sowohl Leid als auch der jüdische Humor immer wieder durchblitzen? Der
pragmatische und doch so für sich einnehmende Stil? Es ist ein beeindruckendes
Buch und ich freue mich schon auf “Machloikes“!